Berlin : Berliner Plätze: Schmutzecken sollen wieder Schmuckstücke werden

Klaus Kurpjuweit

Es sind viele kleine Schritte, die zusammen eine große Wirkung bringen sollen. Dass die Stadtentwicklungsverwaltung damit auf dem richtigen Weg zu sein scheint, zeigen die ersten Erfolge im Stadtplätzeprogramm 2000. Die Verwaltungsmitarbeiterin Monica Schümer-Strucksberg, bei der die Fäden dieses Konzepts zusammenlaufen, nennt das Ziel des Programms: "Die Plätze sollen angenehmer, sauberer und grüner werden, damit sie wieder von mehr Menschen genutzt werden."

Wie am Wismarplatz in Friedrichshain, der zum Quartiersmanagement Boxhagener Platz gehört. Die einst vergammelte Grünfläche war fest in der Hand von Alkoholikern; andere Menschen trauten sich nicht mehr auf den Platz. Nach dem Aufräumen und der Reparatur der Bänke sind zwar die Alkoholiker immer noch da, sie haben sich aber zurückgezogen. "Wir wollen sie auch gar nicht vertreiben", sagt Schümer-Strucksberg. Im Gegenteil. Einer aus der Gruppe gehöre jetzt sogar zu den insgesamt fünf Platzbetreuern.

Verblüfft war nicht nur Schümer-Strucksberg über die Resonz der Anwohner nach einem Aufruf, den Platz in eigener Regie zu bepflanzen, wobei der Kauf der Blumen und Sträucher von der Verwaltung bezahlt wurde. 35 Anwohner waren zur Tat geschritten. "Jetzt hat der Platz eine ganz andere Atmosphäre", schwärmt Monica Schümer-Strucksberg. "Er gehört wieder Allen." Sogar eine Internet-Seite gibt es inzwischen über den "Dorfplatz".

Die Pläne gehend dabei noch weiter. In einen seit langem leerstehenden Kiosk soll ein Café einziehen, und auch eine Toilette soll es wieder geben. Sie musste einst nach Angaben von Schümer-Strucksberg aufgegeben werden, weil sie nicht in das Gartendenkmal passte.

Dabei kam die Verwaltung bisher mit einem Mini-Etat aus. Lediglich exakt 142 848 Mark waren für das Aufmöbeln des Wismarplatzes vorgesehen. Finanziert wird die Umgestaltung der Plätze innerhalb der Programme fürs Quartiersmanagement und für Sanierungs- sowie für Großsiedlungsgebiete. Dies führt, gibt Monica Schümer-Strucksberg zu, gelegentlich zu Ärger, weil auf der anderen Seite die Regelprogramme zurückgedreht werden.

Einen größeren Batzen aus dem Sonderprogramm gab es mit insgesamt etwa 1,27 Millionen Mark für Verbesserungen rund ums Kottbusser Tor. Hier arbeiteten die Platzgestalter auch mit dem Eigentümer des Kreuzberger Zentrums zusammen. So wurden unter anderem die unübersichtlichen Betontreppen durch filigranere Konstruktionen ersetzt. Um Kinder außerhalb von Kitas vorübergehend betreuen zu können, überlässt der Eigentümer einen Raum mietfrei; das Personal muss vom Bezirk finanziert werden. Auch ein Café sei geplant, sagte Schümer-Strucksberg.

Dunkle Ecken auf dem Platz habe man zu hellen Spielplätzen gemacht, und an der Hochgarage wurden Tischtennisplatten für Jugendliche aufgestellt. Schümer-Strucksberg schwebt vor, die kaum genutzte Hochgarage für eine Medienhochschule umfunktionieren zu können. Über die Veränderungen am "Kotti" sei auch ein professioneller Film gedreht worden, in dem Anwohner ihre Erlebnisse schildern. Zu der öffentlichen Vorführung auf dem Platz seien Menschen gekommen, die sonst dort nie zu sehen waren, was für Monica Schümer-Strucksberg ebenfalls ein Erfolg innerhalb des Stadtplätzeprogramms ist.

Vertrieben worden sei dagegen zumindest vorübergehend die Drogenszene. Sie verlagerte sich zum Leidwesen vieler Eltern unter anderem auf den U-Bahnhof Schönleinstraße, den viele Kinder auf dem Weg zur Schule passieren. Inzwischen entdecke auch die Szene den "Kotti" wieder neu, resigniert Schümer-Strucksberg hier.

Sehr zufrieden ist sie dagegen damit, dass es gelungen sei, für die türkischen Gewerbetreibenden in diesem Bereich zum ersten Mal eine eigene Interessenvertretung zu gründen. 30 Jahre hätten alle zuvor nur nebeneinander hergewurstelt. Zum Platzprogramm gehört außerdem eine Wirtschaftsberatung.

Zusammen mit Anwohnern sei es auch gelungen, die Situation rings um den so genannten Sozialpalast an der Pallasstraße in Schöneberg zu verbessern. Für bauliche Maßnahmen sind hier über eine Million Mark vorgesehen. Unter anderem werden aus Stellplätzen für Autos Grünflächen, die nach den Wünschen der Anwohner gestaltet werden. Sichtversperrende Hecken wurden geschnitten und Spritzen der Drogenabhängigen entfernt. Auch die Stadtreinigung kehre jetzt öfter, sagt Schümer-Strucksberg. Besonders für Mütter von schulpflichtigen Kindern biete man zudem Sprachkurse an. Im Sozialpalast lebten immerhin Menschen aus 35 Nationen.

Nichts hält Schümer-Strucksberg von der Idee, Plätze mit Videokameras überwachen zu lassen. Hier stelle sie sich taub. Eine Ausnahme könne nur die Überwachung von Hauseingängen sein. Erwogen werden müsse aber der Einsatz von Sicherheitsfirmen in großen Wohneinheiten wie etwa am Kottbusser Tor.

Und noch einen kleinen Wunsch mit einer großen Wirkung hat Monica Schümer-Strucksberg: Spezielle Hundeklos auf den schönen Plätzen, damit diese auch schön bleiben - für alle.

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