Berliner Polizei : Imagekampagne für die "Arschretter vom Dienst"

Immer „da für Dich“ –  mit einer provozierenden Sympathie-Kampagne soll das Image der Berliner Polizei verbessert werden. Die Aktion kostet 140.000 Euro.

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Freunde und Helfer. Eine Imagekampagne soll die Wertschätzung für die Arbeit von Berliner Polizisten erhöhen.
Freunde und Helfer. Eine Imagekampagne soll die Wertschätzung für die Arbeit von Berliner Polizisten erhöhen.Foto: DAVIDS/Sven Darmer

7060 Berliner Polizistinnen und Polizisten wurden im Jahr 2015 im Dienst Opfer einer Straftat. Im vergangenen Jahr soll die Zahl noch gestiegen sein. Gewalt gegen Polizisten ist alltäglich. Autofahrer bespucken Polizisten, weil sie sich über ein Knöllchen ärgern. Ein Betrunkener hetzt seinen Kampfhund auf Beamte. Oder junge Touristinnen werfen am Rande einer Demo Bierflaschen auf Einsatzkräfte. Erst am Donnerstag flogen in der Rigaer Straße Steine von einem Hausdach auf ein Polizeiauto, kurz danach werden die Piloten eines Polizeihubschrauber mit einem Laserpointer geblendet und in Lebensgefahr gebracht.

Nun beginnt der Gegenschlag von Polizei und Senat. „Eine gigantische Kampagne“ kündigen Polizeipräsident Klaus Kandt und Innensenator Andreas Geisel an –  sie soll aber nicht von einer polizeilichen Sonderkommission durchgeführt werden, sondern von einer Werbeagentur. Ab kommendem Dienstag werden hunderte Plakate im Stadtgebiet und auf Bahnhöfen aufgehängt, auch auf Internetseiten sollen die Sprüche in Form von „Werbebannern“ eingeblendet werden. „Zwischen Beamtenarsch und Arschretter liegt oft nur ein vereitelter Überfall“, ist einer der Slogans. Oder: „Zwischen f*ck you und Thank you liegt oft nur eine krawallfreie Demo.“

Eins der Plakate, mit denen die Polizei für mehr Wertschätzung ihrer Arbeit wirbt. Gibts auch als Postkarte.
Eins der Plakate, mit denen die Polizei für mehr Wertschätzung ihrer Arbeit wirbt. Gibts auch als Postkarte.Foto: Repro

„Wir wollen provozieren“, verteidigt der Polizeipräsident die Wortwahl. Die Kampagne nennt sich „Da für Dich“, zu sehen ist der Spruch mittlerweile auch auf vielen Polizeiautos. Dass der Bürger geduzt werde, sei gewollt, schließlich hieß es früher schon „Die Polizei, Dein Freund und Helfer“. Auch wenn die PR-Profis ebenfalls in Friedrichshain sitzen, sind die linksextremistischen Straftäter nicht die Zielgruppe. Die gelten als nicht erreichbar.

Innensenator Andreas Geisel sagte, dass das „friedliche und sichere Zusammenleben in Berlin nicht selbstverständlich“ sei, sondern das Ergebnis harter Arbeit – der Polizei. „Die Polizei ist da für uns alle. Und wir sind da für die Polizei.“

Die Polizei nimmt erstmals für eine PR-Kampagne richtig Geld in die Hand, nämlich 140.000 Euro. Letztlich solle Wertschätzung und Respekt für die Polizei gesteigert und die Zahl der Angriffe gesenkt werden. In jeder Uniform steckt ein Mensch – das müsse in die Köpfe rein. Die Kampagne soll auch die Seele der knapp 17.000 Polizisten streicheln, die diesen Job machen. „Die Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen dargestellt werden“, schreiben die Erfinder der PR-Kampagne.

Wichtiger dürfte den Berliner Polizisten eine andere Botschaft des Innensenators sein, nämlich die nach besserer Bezahlung. Derzeit steht Berlin bei der Besoldung auf dem 17. und damit letzten Platz. „Die anderen 15 Bundesländer und der Bund sind vor uns“, sagte Innensenator Geisel dem Tagesspiegel.

Das Land will in den kommenden Jahren viel Geld in die Hand nehmen, um die Schere etwas zu schließen. In fünf Jahren soll Berlin bundesweit auf Platz 8 oder 9 liegen, sagt Geisel, also im Bundesdurchschnitt. Dies solle den Berufseinstieg attraktiver machen, auch wenn das Gehaltsniveau des Bundes niemals erreicht werden wird. Jährlich sollen in den nächsten Jahren 1224 Polizisten eingestellt werden, davon 600 im gehobenen Dienst und 624 im mittleren Dienst.

Doch Bewerber findet die Polizei derzeit angesichts niedriger Bezahlung und hohem Risiko auf einen körperlichen Angriff immer schlechter. Viele Schulabgänger bewerben sich lieber bei der Bundespolizei, in Hamburg oder Brandenburg – besser bezahlt und weniger Stress.

Foto: Repro

Vor exakt drei Jahren stieg die Polizei bei Twitter ein, im Sommer 2014 auch bei Facebook. Mittlerweile gehört das Bedienen der Social-Media-Kanäle zum Alltag im Präsidium. Bislang wurden auf drei Kanälen über 15 000 Tweets abgesetzt. Als letztes sahen 264 000 Follower ein Foto der Bürotür des Polizeipräsidenten, die mit „Da für Dich“-Flatterband versperrt ist – es war nicht unbedingt die gehaltvollste Nachricht.

Bewusst verlässt die Polizei mit ihrer Werbekampagne nun das Internet und geht auf die Straße. Denn in sozialen Medien trifft sich eben nur ein Teil der Bevölkerung und ist dort unter sich. Außenwerbung – so formulieren es PR-Profis, „schließt keinen aus und ist barrierefrei. Jeder der sich draußen bewegt, wird von Außenwerbung erreicht. Wegzappen, Wegblocken oder Wegdrücken wie in TV, Internet und Radio geht nicht.

Nach Angaben der Berliner Agentur „alt//cramer“ wird es in diesem Jahr drei „Wellen“ auf 500 Werbeflächen der Firma Wall geben, auch in den 25 größten Bahnhöfen wird sich die Polizei plakatmäßig zeigen. Damit die Berliner über ihre Polizei nachdenken, wie Polizeipräsident Kandt am Freitag sagte.

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