• Berliner Protestfahrt: Staugefährdeter Bus war besonders begehrt - Den größten Fahrgastzuwachs verbuchte aber die S-Bahn

Berlin : Berliner Protestfahrt: Staugefährdeter Bus war besonders begehrt - Den größten Fahrgastzuwachs verbuchte aber die S-Bahn

Klaus Kurpjuweit

Die Lastwagenfahrer haben gestern auch für den öffentlichen Nahverkehr demonstriert. Vor allem die S-Bahn hofft nach Angaben ihres Sprechers Ingo Priegnitz, dass sie einige neue Stammkunden gewonnen hat. Nach Schätzungen waren auf dem Süd- und Ostring sowie auf der Stadtbahn zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof bis zu 30 Prozent mehr Fahrgäste unterwegs als sonst. Die BVG registrierte den größten Fahrgastzuwachs ausgerechnet im Bus, der besonders staugefährdet war. 15 Prozent mehr Menschen als sonst stiegen nach Angaben von BVG-Sprecher Klaus Wazlak in die Busse, 10 Prozent mehr waren es bei der U-Bahn und rund 5 Prozent bei der Straßenbahn. Auch die Regionalzüge verzeichneten eine "spürbare Zunahme" bei den Fahrgastzahlen, sagte Bahnsprecher Achim Stauß.

Dass viele Neukunden mit Bahnen und Bussen unterwegs waren, leiten die Unternehmen aus der stark gestiegenen Zahl der Anrufe zu den Fahrmöglichkeiten ab. Das Call-Center der BVG verbuchte die vierfache Zahl der üblichen Anfragen, sagte Wazlak, bei der S-Bahn sei es, so deren Sprecher Ingo Priegnitz, ähnlich gewesen. Er hofft, dass einige "Zwangsfahrer" von gestern dem Verkehr auf der Schiene nun treu bleiben. "Viele, die noch die alte, vergammelte S-Bahn der Vergangenheit kennen, haben gesehen, wie sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren entwickelt hat", sagte Priegnitz. Angetan gewesen seien viele der neuen Fahrgäste von den neuen Fahrzeugen. Die BVG kann auf diesen Effekt nicht so hoffen, denn sie setzt ihre neuen U-Bahnen vor allem auf der Linie U 5 zwischen Alexanderplatz und Hönow ein, entlang der die Staugefahr gestern nicht so groß war. Keine Erklärung fand BVG-Sprecher Wazlak dafür, dass es den größten Zuwachs bei den Fahrgastzahlen im Busverkehr gegeben hatte. Etwa 20 Linien seien durch die Demonstration der Lastwagenfahrer umgeleitet oder verkürzt worden. Auf die jeweilige Verkehrssituation hatten die Fahrer und die Leitstellen in der Regel auch in der U-Bahn hingewiesen.

Die BVG hatte, wie Wazlak weiter mitteilte, auch ihre Fahrzeugreserven eingesetzt. Die S-Bahn ließ, wie angekündigt, auf der S 1 zwischen Birkenwerder und Anhalter Bahnhof mehr Züge fahren. Dieser Abschnitt verzeichnete in den vergangenen Wochen nämlich ohnehin einen überdurchschnittlichen Fahrgastzuwachs. Auch gestern waren hier die Bahnen besonders voll. Zurückbleiben musste, so die Unternehmen übereinstimmend, aber nirgendwo ein Fahrgast. Ob der Passagierzuwachs auch zu einem Mehr in den Kassen der Unternehmen führte, ließ sich gestern noch nicht sagen. Der Einzelfahrschein zu 4 Mark galt den ganzen Tag statt nur zwei Stunden. Sonst kostet die Tageskarte 8,70 Mark.

"Schwarz" zu fahren, war auch gestern nicht angeraten, denn die Fahrscheinkontrollen waren trotz des Andrangs nicht eingestellt worden.

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