Berliner Rathäuser : Altbauten in bester Lage

Jede Stadt hat ein Rathaus – Berlin aber hat fast drei Dutzend. Doch nicht jeder Bezirk kann sich seine Amtsgebäude leisten. Wilmersdorf, Friedrichshagen und Friedenau werden verkaufen. Und was ist mit den anderen dreiunddreißig?

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Friedenau: Das Rathaus soll verkauft werden.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis
18.08.2013 14:33Friedenau: Das Rathaus soll verkauft werden.

Jede Stadt hat ein Rathaus, Berlin aber hat fast drei Dutzend. Doch einige Bezirke können sich ihre Immobilien  nicht mehr leisten, und das Land hilft mit beim Ausverkauf. Schon vor Jahren hat der Senat einen Automatismus geschaffen: Wird ein Gebäude nicht mehr fachlich genutzt, muss es dem Liegenschaftsfonds zur Veräußerung übertragen werden. Der vermarktet die Immobilie dann, der Bezirk bekommt vom Verkaufserlös einmalig einen Anteil zwischen 15 und 25 Prozent und spart dafür dauerhaft die Bewirtschaftungskosten. Das passt manchen Bezirken nicht – zum Beispiel Friedrichshain-Kreuzberg. Sie versuchen lieber, eine sinnvolle Nutzung für die Immobilien zu finden. Andere Bezirke haben nicht einmal ein Problem damit, ihre Verwaltungsgebäude abzustoßen. Wo in Berlin also stehen noch Rathäuser und wie werden sie eigentlich genutzt?

Charlottenburg-Wilmersdorf. In der Kaiserzeit war Charlottenburg die reichste Stadt in Preußen, reicher als Frankfurt am Main. Das mächtige Rathaus an der Otto-Suhr-Allee symbolisiert diese glänzende Kassenlage; heute ist man davon weit entfernt. Im Doppelbezirk soll, wie berichtet, das Rathaus Wilmersdorf am Fehrbelliner Platz verkauft und der Bezirkshaushalt so um rund eine Million Euro entlastet werden. Während sich die Verwaltung damit auf das Rathaus Charlottenburg konzentriert, gibt es gleich um die Ecke auch noch das ehemalige Rathaus Schmargendorf am Berkaer Platz. Das burgähnliche Gebäude wurde 1900 bis 1902 von Otto Kerwien im Stil der märkischen Backsteingotik errichtet. Es beherbergt heute neben anderen Dienststellen das Standesamt. Der mit Motiven aus Richard Wagners Walküre ausgestattete, ehemalige Ratssaal gilt als eines der schönsten Trauzimmer Berlins. An einen Verkauf ist hier nicht gedacht, sagt der für Immobilien zuständige Stadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU).

Schöneberg. Hier sprach John F. Kennedy 1963 seine berühmten Worte: „Ich bin ein Berliner.“
Schöneberg. Hier sprach John F. Kennedy 1963 seine berühmten Worte: „Ich bin ein Berliner.“Foto: Thilo Rückeis

Tempelhof-Schöneberg. Der Fusionsbezirk verfügt zurzeit über „drei hochwertige Rathäuser“, wie er stolz mitteilt. Es sind das Rathaus Friedenau, das Rathaus Schöneberg und das Rathaus Tempelhof. Das Haus in Friedenau soll abgegeben werden, um Kosten zu sparen. Derzeit ist das 1917 eröffnete Gebäude allerdings unbrauchbar – vor kurzem gab es dort einen großen Wasserschaden. Nach Auskunft des Büros von Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) mussten 60 Räume komplett gesperrt werden; Wasser- und Folgeschäden reichen vom Keller bis in den dritten Stock. Der Sanierungsbedarf und die Schadenshöhe werden noch ermittelt. Es besteht kein Versicherungsschutz. Im Bezirk liegt auch das weltberühmte Rathaus Schöneberg. Hier hängt seit 1950 die 10 206 Kilo schwere Freiheitsglocke, deren tägliches Geläut an den Kampf für Freiheit und gegen Kommunismus erinnerte. Hier sprach John F. Kennedy 1963 seine berühmten Worte: „Ich bin ein Berliner.“ Bis 1991 war es auch Sitz des Regierenden Bürgermeisters, danach wurde sein Sitz ins Rote Rathaus verlegt.

Friedrichshain-Kreuzberg. Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) logiert in der Frankfurter Allee zur Miete. Dem Bezirk gehört aber das frühere Rathaus Kreuzberg an der Yorckstraße; die wenig repräsentative Immobilie aus den Sechzigern beherbergt einen großen Teil der Kreuzberger Verwaltung. Auch das frühere Rathaus Friedrichshain an der Petersburger Straße gehört dem Bezirk; in der unattraktiven Immobilie sind ebenfalls Büros untergebracht. Bürgermeister Schulz würde dennoch eher einige der gemieteten Flächen kündigen, als eines der bezirkseigenen Rathäuser zu verkaufen. Damit liegt er nicht auf der Linie des Senats. Die Politik, dass nicht mehr für die Fachnutzung benötigte Immobilien an den Liegenschaftsfonds gehen und von diesem verwertet werden, hält Schulz für Verschleudern öffentlichen Eigentums. Er würde immer versuchen, einen Mieter für das Gebäude zu finden.

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