Berliner Restaurants. : Knapp an der Spitze gehalten

Der neue Michelin-Restaurantführer ist da: Die Auf- und Absteiger in Berlin und Brandenburg.

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Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Den Ruf als Deutschlands Feinschmecker-Metropole hat sich Berlin redlich verdient – auch wenn der Stadt ein Restaurant internationaler Ausstrahlung weiterhin fehlt. Dies ist, kurz zusammengefasst, die Botschaft des neuen Guide Michelin 2011, der der Stadt wie bisher zwölf Sterne-Restaurants mit insgesamt 13 Sternen zubilligt, knapp vor München (12 Sterne), Hamburg (10) und Düsseldorf mit 9 Sternen.

Allerdings hat Hamburg deutlich mehr Restaurants in der Kategorie „Bib Gourmand“ zu bieten, die für gute, preiswerte Küche steht; das ist ein Indiz für die etwas aus den Fugen geratene Berliner Preisstruktur. Bemerkenswert ist ein deutlicher Trend weg von den lange Zeit dominierenden Hotel-Restaurants – sechs der ausgezeichneten Betriebe haben keine Betten im Hintergrund.

Die größte Überraschung des neuen Führers ist zweifellos der Stern für Stefan Hartmann und das nach ihm benannte Restaurant in der Kreuzberger Fichtestraße. Niemand, ihn selbst eingeschlossen, hatte diese Entscheidung erwartet, zumal einige im Durchschnitt der verschiedenen Führer höher eingeschätzten Betriebe weiterhin leer ausgehen.

Tim Raue hat die Möglichkeiten für dieses Jahr ebenfalls ausgereizt: Mit einem Stern und der Auszeichnung als „Hoffnungsträger“ für einen weiteren steht er in seinem neuen Kreuzberger Restaurant wieder genau dort, wo er mit dem Ausstieg aus dem „Ma“ aufgehört hatte. Das ist für einen erst zwei Monate bestehenden Betrieb angesichts der formalen Strenge des Michelin eine außergewöhnliche Auszeichnung.

Grund zur Freude haben auch Matthias Diether vom „First Floor“ im Palace-Hotel und Hendrik Otto, der Küchenchef im „Lorenz Adlon“. Denn beide haben ihren Job erst im laufenden Jahr angetreten und können sich den behaupteten Stern somit als eigene Leistung anrechnen.

Weitere neue Sterne für Berlin hat es nicht gegeben. Christian Lohse „Fischer Fritz, Regent Hotel“, trägt weiterhin als einziger Berliner Koch zwei Sterne, einen Stern haben Daniel Achilles (Reinstoff), Michael Hoffmann (Margaux), Thomas Kammeier (Hugos), Michael Kempf (Facil), Sauli Kemppainen (Quadriga) Kolja Kleeberg (Vau) und Marco Müller (Rutz). Entfallen sind die Sterne für das mit dem „Uma“ verschmolzene „Ma“ und das „Gabriele“ – Grund ist hier der Weggang des Küchenchefs Björn Panek, der jetzt im „Burj el Arab“ in Dubai kocht.

Auch beim „Bib Gourmand“ ist Bewegung. Gleich drei Berliner Restaurants sind neu in diese Kategorie aufgenommen worden, die einen Höchstpreis von 35 Euro für ein Dreigangmenü voraussetzt: „Alpenstück“ in der Gartenstraße, „Neu“ in den Heckmann-Höfen an der Oranienburger Straße und „Dos Palillos“ in der Rosenthaler Straße, alle in Mitte. Beim „Neu“ ist allerdings unklar, ob das Lob dem alten Küchenchef gilt oder dem neuen, der erst im September angefangen hat. Weiterhin dabei: Bieberbau, Brechts, Ottenthal und Spindel.

Neutral ist die Sterne-Bilanz in Brandenburg ausgefallen. Alexander Dressel (Bayrisches Haus, Potsdam), hat seinen im vorigen Jahr entzogenen Stern zurück, dafür ist das „Windspiel“ in Schloss Hubertushöhe aussortiert worden. Der Hintergrund: Küchenchef Torsten Voigt hat das Haus verlassen und gerüchteweise ist sogar von einem Eigentümerwechsel und Aufgabe des Hotelbetriebs die Rede. Der Stern für das „17fuffzig“ im Hotel zur Bleiche in Burg besteht fort.

Bei den „Bibs“ gibt es immerhin eine Neuerung in Brandenburg: Das Restaurant Philippsthal im gleichnamigen Ort südwestlich Berlins wurde neu aufgenommen. Weiter werden in dieser Kategorie vom Michelin „Speckers Gasthaus“ in Potsdam, „Carmens Restaurant“ in Eichwalde und die „Alte Schule“ in Reichenwalde empfohlen.

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