Berlin : Berliner retten künftig auch in Brandenburg

Nachbarländer wollen bei Noteinsätzen auf Kompetenzgerangel verzichten

Sabine Beikler,Brigitte Grunert

Von Sabine Beikler

und Brigitte Grunert

Wer an der Berliner Stadtgrenze Opfer eines Notfalls wird, muss mitunter einige Minuten länger auf Rettung warten. Zwischen der Berliner Feuerwehr und Brandenburgs angrenzenden Landkreisen fehlen Verträge, auch ein Gesetz gab es bisher nicht: Deshalb rückt nicht immer das nächste und damit schnellste Rettungsteam aus. Ein Zustand, den Notärzte seit Jahren beklagen. Nun verabschiedete der Senat am Dienstag einen Entwurf zum Staatsvertrag, der künftig die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Brandenburgs Landkreisen bei der Unfallrettung regeln soll. Er wird demnächst vom Innensenator und vom Brandenburger Sozialminister unterzeichnet. Danach müssen beide Parlamente das Ratifikationsgesetz billigen.

Um bei Notfällen die Zeit zwischen dem ersten Notruf und dem Eintreffen der Rettungsmannschaft so kurz wie möglich zu halten, gilt zwar schon bisher der Grundsatz, unabhängig von der Landesgrenze möglichst das nächstgelegene Rettungsmittel zu alarmieren. So ist es beispielsweise üblich, dass bei Notfällen in der Brandenburger Gemeinde Eiche Süd, die an der Grenze zu Hellersdorf liegt, die Berliner Retter automatisch losfahren – doch dieser Grenzverkehr funktioniert nicht immer und überall problemlos.

Von dem Staatsvertrag erhofft sich Berlins Landesbranddirektor Albrecht Broemme in „heiklen“ Fällen eine schnelle Lösung. Denn bei der Notfallversorgung kam es in der Vergangenheit mitunter zu zeitlichen Verzögerungen, weil zuerst die Zuständigkeiten zwischen der Berliner Leitstelle und den Brandenburger Einsatzzentralen in den jeweiligen Kreisen umständlich geregelt werden mussten.

Im Gegensatz zu Berlin untersteht der Rettungsdienst in Brandenburg den einzelnen Landkreisen. Diese wiederum haben in der Regel Verträge mit lokalen Rettungsdiensten abgeschlossen. Deshalb wurden auch nicht immer die Berliner Einsatzkräfte gerufen, obwohl sie viel näher am Notfallort gewesen wären. Man befürchtete offenbar, dass sich Brandenburger Rettungsdienste nicht rentierten, wenn regelmäßig Einsätze an die Kollegen in Berlin abgegeben würden.

Mit unterschiedlichen Rettungskosten habe der neue Staatsvertrag nichts zu tun, sagte Innensenator Körting gestern. Die Krankenkassen müssten ohnehin alle Not-Einsätze zahlen. Im Jahr 2001 flog der Berliner Rettungshubschrauber Christopher31 2002 Einsätze, davon 68 in Brandenburg. Bei den Rettungswagen stieg die Zahl der Einsätze im Umland von 883 im Jahr 1999 auf 1062 im Jahr 2001.

Abrechnungsprobleme mit den Versicherungen nach einem landesübergreifenden Einsatz werden laut Broemme im Staatsvertrag dahingehend geregelt, dass die Berliner Gebühren auch bei Einsätzen in Brandenburg und umgekehrt die Brandenburger Gebührensätze bei Einsätzen in Berlin gelten. Festgeschrieben werden muss das noch in den jeweiligen Landesregelungen über die Gebührenordnungen.

Die Sätze für die Bodenrettung sind im Flächenland Brandenburg höher als in Berlin. Kostet in Berlin ein Notfalleinsatz rund 300 Euro, wird er in Brandenburg mit 400 Euro und mehr veranschlagt. Die Luftrettung ist dagegen in Berlin teurer. Dort sind beim Benjamin-Franklin-Klinikum in Steglitz der ADAC-Hubschrauber Christopher31 und am Unfallkrankenhaus Marzahn ein Intensivrettungshubschrauber des Arbeiter-Samariter-Bundes stationiert.

Berlins Feuerwehrchef Albrecht Broemme würde sich wünschen, dass die Brandenburger häufiger Berlin zu Flugeinsätzen am südlichen Berliner Ring rufen würden, statt den Hubschrauber der Rettungsflugwacht aus dem entfernteren Bad Saarow. Bei Notfällen entscheidet oft eine Minute über Leben und Tod.

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