Berliner S-Bahn : Einheitslook in Rot und Ocker

Der neue S-Bahn-Chef Tobias Heinemann wirbt für die Traditionsfarben Rot und Ocker. Die Auseinandersetzung mit den krank gemeldeten Zugführern hält er für ausgestanden.

Papestrasse
Einheitlicher Look: S-Bahnen am Südkreuz.Foto: ddp

Berlin - Wer neu im Job ist, will normalerweise alles anders machen. Tobias Heinemann will das nicht. Der neue Geschäftsführer der S-Bahn-Berlin GmbH entpuppt sich als Traditionalist: „In den nächsten zehn bis zwölf Monaten wollen wir alle S-Bahn-Waggons auf das traditionelle Erscheinungsbild in Rot-Ocker umspritzen.“ Rund 60 Viertelzüge (sie bestehen aus jeweils zwei Waggons) fahren noch ohne dieses Design durch die Stadt. Das möchte Heinemann ändern, damit der Kunde einen einheitlichen Eindruck vom Unternehmen bekomme. Das soll außerdem auch noch durch ein neues Logo auf den Zügen verdeutlicht werden. „Der Kunde erwartet zu recht ein einheitliches Erscheinungsbild und soll wissen, dass er mit einem Zug der S-Bahn-Berlin unterwegs ist.“

Bisher wären Stammkunden zwar nicht auf die Idee gekommen, dass auf den S-Bahn-Gleisen etwas anderes fährt als eben jenes Unternehmen, aber das könnte sich ändern. Bis 2017 hat die S–Bahn einen Verkehrsvertrag mit dem Senat über den Betrieb der S-Bahn. Aber schon Ende 2013 könnte, wenn der Senat den Vertrag kündigt, etwa ein Drittel des S-Bahn-Netzes herausgenommen und privatisiert werden. Das beträfe den Nord- Süd-Verkehr auf den Linien S1, S2 und S25. Auch das schmeckt dem Traditionalisten Heinemann nicht: „Ich rate zur zeitlichen Synchronisierung des Wettbewerbs.“ Soll heißen: Wenn schon privatisieren, dann alles, und nicht nur Teile des Netzes.

Das habe große Vorteile, so Heinemann: „Wenn Teile des Netzes herausgenommen und an andere Betreiber vergeben werden, gehen große Synergieeffekte verloren, von denen heute der Kunde profitiert.“ Er nennt als Beispiel die Instandhaltung der Schienen und die firmeneigene Werkstatt. Wartung und Pflege der Züge würde einen doppelten Aufwand bedeuten, da die Konkurrenz eigene Werkstätten einrichten müsse, im Gegenzug die Kapazitäten bei der S-Bahn nicht ausgelastet seien.

Der Grund für diese Situation liege unter anderem in den Besonderheiten des Berliner S-Bahn-Betriebs, der im Gegensatz zu anderen Städten auf eigenen Gleisen und mit Stromschienen statt Oberleitungen abgewickelt werde. Das bedeute, dass für die Berliner S-Bahn eigene Fahrzeuge gebaut werden. „Diese Züge sind bundesweit einmalig“, so Heinemann, nur ein Hersteller biete sie an. Daher ergebe sich bei einer Privatisierung der S-Bahn nur ein eingeschränktes Sparpotenzial: „Ein neuer Anbieter müsste sich darauf einstellen“, so Heinemann weiter.

Ein vorzeitige Teilprivatisierung der S-Bahn lehnt Heinemann auch deshalb ab, weil ein Drittel der Beschäftigten nicht mehr benötigt würden. Zwischen 700 und 1000 Mitarbeiter könnte das betreffen. Ein Konzerntarifvertrag der Bahn AG sehe eine Beschäftigungssicherung bis 2010 vor, diese Garantie könne für die Zeit danach derzeit aber niemand geben.

Die betriebsinternen Auseinandersetzungen über einen anderen Konzerntarifvertrag, der nun auch für die Zugführer der S-Bahn gilt, hält Heinemann für ausgestanden. Wie berichtet, hatten sich zum Fahrplanwechsel Ende Mai etwa 60 Zugführer krank gemeldet, viele Züge fielen aus. Der Grund lag in den neuen Einsatzplänen, die für etwa zehn Prozent der Zugführer längere Dienstzeiten bedeuteten. Die Pläne sind nun vorerst zurückgestellt worden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben