Berliner Schleusenwärter streiken : Verdi legt Schiffsverkehr lahm

Ab Donnerstag streiken die Schleusenwärter. Drei Tage lang bleiben dann in Berlin die Schleusen dicht. Viele bei den Touristen beliebte Routen können die Ausflugsschiffe dann nicht nehmen.

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Freie Fahrt - noch. Ab Donnerstag sind die Berliner Schleusen, hier die Mühlendamm-Schleuse, für drei Tage geschlossen. Die Schleusenwärter streiken.
Freie Fahrt - noch. Ab Donnerstag sind die Berliner Schleusen, hier die Mühlendamm-Schleuse, für drei Tage geschlossen. Die...Foto: dpa

Von Donnerstag an wird es auf Spree und Landwehrkanal ruhig. Drei Tage lang werden die Schiffe und Ausflugsdampfer nur eingeschränkt auf den Berliner Wasserstraßen unterwegs sein können. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) zum Streik aufgerufen. Dann sind vom Beginn der Frühschicht an bis Samstag um 24 Uhr sämtliche Berliner Schleusen dicht: Mühlendamm, Plötzensee, Charlottenburg, Spandau, Unterschleuse, Oberschleuse (Verbindung zum Landwehrkanal). „Wenn gestreikt wird, kommt da nichts durch“, sagt Michael Scholz, Leiter des WSA. Mit der Gewerkschaft seien Notdienstvereinbarungen getroffen worden, so dass nur in Notfällen beispielsweise für Feuerwehr- oder Wasserschutzpolizeiboote geschleust werden. Also werden auch Lastkähne an diesen Tagen nicht in Berlin unterwegs sein können.

Ausfälle von mindestens 30 000 Euro pro Streiktag

Ausgesprochen ärgerlich ist Jürgen Loch, einer der beiden Geschäftsführer der Stern und Kreisschifffahrt, über den Streik: „Es kann nicht sein, dass ganze Branchen in Geiselhaft für die Belange einzelner Berufsgruppen genommen werden.“ Es sei unerträglich, wenn Streiks bei zentralen Schnittstellen in der Infrastruktur wie bei Fluglotsen, Lokführern, Piloten oder jetzt den Schleusenwärtern solche Auswirkungen auf die Volkswirtschaft haben. Loch rechnet für die Stern- und Kreisschifffahrt pro Streiktag mit Ausfällen von mindestens 30 000 Euro: „Bei schönem Wetter ist es deutlich mehr.“ Rund 100 seiner Beschäftigten könnten an diesen Tagen nicht arbeiten. Zehn Ausflugsschiffe, die auf ihren herkömmlichen Routen die Schleusen passieren, werden pausieren müssen. Betroffen sind auch die beliebten Klassiker in der Innenstadt, die Brückenfahrten. Man werde jetzt versuchen, die Kunden telefonisch zu erreichen, die Touren gebucht oder Schiffe gechartert haben.

Die Reederei Riedel weist ihre Fahrgäste schon auf der Homepage auf die Streiktage hin (www.reederei-riedel.de). Man könne die Touren nur eingeschränkt anbieten. Spree- und Brückenfahrten werden den Angaben zufolge voraussichtlich mit veränderter Route angeboten. Die Reederei geht aber davon aus, dass die meisten Stadtkernfahrten, mit Ausnahme einer Tour ab Haus der Kulturen der Welt, wie gewohnt stattfinden können. Alle Anliegestellen am Landwehrkanal – Kottbusser Brücke, Hallesches Tor, Potsdamer Brücke, Corneliusbrücke – könnten aber nicht angefahren werden.

Streiks finden auch in Brandenburg statt

Bestreikt werden auch Schleusen in Brandenburg: Kleinmachnow, Woltersdorf, Wernsdorf, Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt. Der Schiffsverkehr auf der Oder ist allerdings nicht direkt betroffen, sondern nur durch die Zufahrten von Berlin aus dorthin. Einbezogen in den Verdi-Arbeitskampf ist auch das Schiffshebewerk in Niederfinow am Oder-Havel-Kanal – aber nur an einem Tag. Dort wird am Donnerstag die Arbeit niedergelegt.

Verdi-Sprecher Andreas Splanemann rechnet damit, dass sich einige 100 Beschäftigte an den Streiks beteiligen. Sie stehen im Zusammenhang mit den bundesweiten Tarifauseinandersetzungen. Die Bundesregierung verweigere im Zuge der Umstrukturierung der Bundesbehörde Tarifverhandlungen zur Absicherung der Beschäftigten. In anderen Bundesländern hatte es in den vergangenen Wochen bereits Aktionen gegeben.

Verdi befürchtet einen Abbau von 12 000 Stellen

Nach Verdi-Angaben plant der Bund einen Umbau der Schifffahrtsbehörde, bei dem bis zu einem Viertel der rund 12 000 Arbeitsplätze wegfallen soll. „Der Osten Deutschlands ist von der Reform besonders betroffen, hier stehen bis zu 2500 Arbeitsplätze auf dem Spiel“, teilte die Gewerkschaft mit. Bei einer Urabstimmung Ende April hätten rund 95 Prozent der bei Verdi organisierten Beschäftigten für einen Arbeitskampf gestimmt.

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