• Berliner Schüler sollen zwischen Religion, Ethik und Lebenskunde wählen können, fordert Bischof Huber

Berlin : Berliner Schüler sollen zwischen Religion, Ethik und Lebenskunde wählen können, fordert Bischof Huber

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Rechtzeitig zum Start des neuen Schuljahres und zum Beginn der heißen Phase des Berliner Wahlkampfes wenden sich die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg und das Erzbistum Berlin mit einem Brief an ihre Mitglieder. Darin geht es um den Religionsunterricht an den Schulen der Stadt. Gemeinsam stellen die Kirchen die seit 1995 bestehende Forderung nach einem "Wahlpflichtfachbereich" mit den Fächern Religion - in verschiedenen Glaubensrichtungen - und Ethik/Philosophie und Lebenskunde noch einmal vor. Bischof Wolfgang Huber für die evangelische und Georg Kardinal Sterzinsky für die katholische Kirche beklagen in dem Brief, dass Religion in Berlin noch immer kein reguläres Unterrichtsfach sei. Anlässlich des Berliner Wahlkampfes fordern sie die Mitglieder ihrer Kirchen dazu auf, die "Kandidaten auch auf die Wichtigkeit des Religionsunterrichts und unser Modell einer Fächergruppe anzusprechen".

Auf einer Pressekonferenz zu dem Brief verwahrte sich Bischof Huber gegen den Verdacht, in den Berliner Wahlkampf eingreifen zu wollen. Zwar sei in Gesprächen der Kirchen mit Parteienvertretern deutlich geworden, dass die Berliner CDU den Vorstoß unterstütze, während SPD und Bündnis 90/Grüne eher dagegen seien, sagte der für den evanglischen Religionsunterricht zuständige Oberkonsistorialrat Gerhard Seitz. Aber einerseits hätten sich Bundespolitiker von SPD und Grünen für das Modell der Kirchen zum Religionsunterricht ausgesprochen, und andererseits stimmten die Erwartungen der CDU an den "Werteunterricht" nicht immer mit denen der Kirche überein.

Generalvikar Steinke betonte für das Bistum Berlin, dass die gemeinsame Aktion keineswegs im "egoistischen Interesse der Kirchen" sei, die christlich-religiöse Bindung der Jugend zu stärken. Vielmehr sei ein verbindlicher "Werteunterricht" wichtig für alle Kinder und Jugendlichen, für ihre "Motivation zur Lebensgestaltung".

Nur im Rahmen des von den Kirchen vorgeschlagenen Modells, so Bischof Huber, könne auch der islamische Religionsunterricht vom Staat verantwortet werden. Oberkonsistorialrat Seitz erläuterte, allein ein Wahlpflichtfach mit einem Rahmenplan könne gewährleisten, dass alle Lehrkräfte vergleichbar qualifiziert würden und der Unterricht in allen Fächern auf der Grundlage des Grundgesetzartikels zur religiösen Freiheit erteilt werde. Gegen das brandenburgische Modell, Lebenskunde, Ethik und Religion gemeinsam im Fach "LER" zu unterrichten, sprachen sich beide Kirchenverrtreter erneut aus.

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