Berliner Schul-Dschungel (4) : Süße Träume

Lernen im Baumhaus oder auf einer Insel. Ein Schulhof voller Affen. Ein Sofa im Klassenzimmer, Schoko-Schulbrote gratis und eine Stunde große Pause: Wenn Kinder sich ihre Lieblingsschule gestalten dürften, sähe die ganz anders aus als Erwachsene denken.

Werner Kurzlechner,Daniela Martens
Schule
Was Eltern von der optimalen Schule erwarten und was Kinder sich wünschen, unterscheidet sich meistens sehr. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

TORBEN, 6 JAHRE

Seit diesem Schuljahr Erstklässler in der Grundschule am Buschgraben, Zehlendorf

Ich will in der Schule vor allem spielen, toben, Wettrennen machen und Weitsprung. Deshalb braucht eine richtig gute Schule unbedingt einen Sporthof und eine Rutsche. Ich freue mich aber auch darauf, rechnen zu lernen. Im Klassenzimmer soll es einen Computer geben, auf dem man im Unterricht Lernspiele mit kleinen Männchen und Zahlen spielen kann. Und ein Sofa – um beim Schreibenüben darauf zu sitzen. Das finde ich besser als an einem Tisch, weil es kuscheliger ist. Die Lehrer sollten genauso nett sein wie die Gruppenleiterinnen hier in der Kita. Schlimm wäre eine graue Schule mit langweiligen Bildern. So was würde ich kaputtschmeißen.

Am besten wär’ es, wenn die Schule richtig schick wäre: Die Wände müssten mit bunten Schulranzen bemalt sein, und überall könnten Seile mit Seemannsknoten hängen. Zu essen soll es ganz oft Schokoladenpudding und Waffeln geben. Ich fänd’ es auch gut, wenn wir Bastelunterricht hätten. Dann würde ich töpfern, eine Maske basteln und meine eigene Schule aus Pappe – genauso, wie ich sie gut finde.

Und richtig cool wäre es, wenn wir in der Klasse eine Pythonschlange und einen Tiger hätten, die beim Unterricht dabei sind. dma


MIRNA, 9 JAHRE

wechselt von der Adolf-Glaßbrenner-Schule in Kreuzberg auf eine Schule in Zagreb

„Ein bisschen schade ist es schon, dass ich mit meiner Familie in den Ferien nach Kroatien gezogen bin. Denn meine bisherige Schule in Kreuzberg fand ich ganz wunderbar. Das fängt mit der Schulleiterin Rosa Strobl-Zinner an, die immer freundlich ist und den Kindern zuhört. Und es gab dort keine Prügeleien. Das ist an meiner Traumschule auch so. Jungs, die andere schlagen, müssen dort in der Pause Mädchen schminken. Dass Jungen das gut können, hätte ich früher selbst nicht gedacht. Ich habe es aber schon selbst beobachtet. Manchmal frage ich mich, warum Schulgebäude so grau und langweilig aussehen. Meine Wunschschule sollte die Form eines Elefanten haben. Es gibt dort eine Pizzeria, einen Süßigkeitenladen und einen Swimmingpool. Aber auf gar keinen Fall jahrgangsübergreifende Klassen. Das stelle ich mir ganz schlimm vor, wenn Sitzenbleiber aus der dritten Klasse plötzlich mit Erst- und Zweitklässlern zusammen sitzen.“wek


SIMON, 10 JAHRE

Reinhardswaldschule Kreuzberg

„Ich träume von einer Schule auf einer schwebenden Insel. Morgens bringen uns fliegende Roboter dorthin. Die haben ganz lange Arme mit Zacken dran, aus denen ihre Flügen wachsen. Auf der Insel gibt es viele Pflanzen und Tiere, Wälder und Seen. Die Roboter schützen die Natur.

Die Schule liegt in der Mitte unter einer riesigen Kuppel. Mitten durch sie durch wächst der größte Baum der Welt. Der ist auch der Schuldirektor, der alles weiß, alles sieht und alles kann. Klar, dass dieser Baum sprechen kann. Die Lehrer sind genauso freundlich wie die an meiner jetzigen Schule. Auf dem Stundenplan stehen Mathe, Englisch und Trampolinspringen. Schwimmen lernen die Schüler dort auf dem Rücken von Blauwalen. Die tauchen ganz langsam ab, bis die Kinder von alleine schwimmen können. Die Wale passen auch auf, dass niemand untergeht.

Das alles passiert in einem riesigen See. Wenn der im Winter zugefroren ist, steht Schlittschuhlaufen auf dem Programm. Den Kindern bringt man bei, aus ihren Fehlern zu lernen. Man bestraft sie nicht, und deshalb gehen sie gerne zur Schule.“wek


ENI JILL, 6 JAHRE

Berlin Kids International School

„Meine Traumschule ist ganz bunt und sieht aus wie ein Märchenschloss. Drum herum ist ein riesiger Garten mit Sonnenblumen. Es gibt dort einen riesigen Käfig mit ganz vielen Meerschweinchen. Wer ein gutes Zeugnis bekommt, darf sich zur Belohnung ein Tier mit nach Hause nehmen.

Lernen tun wir alle in einem Baumhaus. Für die Pause brauchen wir eine großen Schaukel, die zwischen zwei Bäumen hängt. Und ein eigenes kleines Labyrinth, in dem wir herumlaufen können. Es gibt auch immer Brote mit Nutella und Haselnusseis. Damit kein Kind Hunger haben muss, wenn es mal sein Pausenbrot vergessen hat.

Im Unterricht machen wir spannende Experimente. Zum Beispiel werfen wir Eier in die Luft und versuchen, dass sie in der Pfanne landen. Die Spiegeleier dürfen wir essen. Schön wäre auch, wenn wir unseren eigenen Fernsehturm hätten. Der reicht bis in den Himmel und wir dürfen ganz nach oben klettern.“ wek


ZENO, 8 JAHRE

Berlin Kids International School, Friedrichshain

„So wahnsinnig viel will ich eigentlich gar nicht ändern. Die große Pause sollte eine Stunde dauern, die kleine 30 Minuten. Für die Schüler sollte es ein großes Büffet mit Wassermelonen und anderen Früchten geben.

Außerdem brauchen wir hier viel mehr Computer – am besten einen für zwei Kinder. Dann könnten wir auch im Internet über Kaulquappen forschen. In unserem Aquarium haben wir die nämlich schon.

Ach ja, und wir sollten mehr nach draußen dürfen, vor allem zum Fußballspielen. Zwar kicken wir jetzt schon einmal die Woche gegen die aus der Freien Waldorfschule nebenan. Das möchte ich aber mindestens doppelt so oft machen. Fußball macht mir eben einen Riesenspaß.

In Mathe wären mir schwierigere Aufgaben lieber. Ich würde gerne mal ausrechnen, wie viel 264 mal 233 ergibt. Aber mit so hohen Zahlen machen wir bisher eben nur Plusrechen.“wek


ELISABETH, 6 JAHRE

Seit diesem Schuljahr Erstklässlerin  in der Schweizerhof-Grundschule, Zehlendorf

„In meiner Traumschule gäbe es in der Pause immer was Leckeres, aber auch Gesundes zu essen: Spagetti und Pizza und als Nachtisch Eis und Wackelpudding. Das Wichtigste sind aber nette Lehrer, die nicht zu streng sind, und viele Freunde, und dass ich schnell schreiben lerne. Das finde ich noch wichtiger als eine Schaukel auf dem Schulhof. Obwohl ich die auch gern in meiner Traumschule hätte.

Auf diese Schule dürften keine Kinder gehen, die einen ärgern. Die Wände sollen auf jeden Fall bunt bemalt sein mit Pferden und einem lustigen Weihnachtsmann. Außerdem gehört zu einer guten Schule ein richtiger Direktor. Sonst müssen die Lehrer das übernehmen, was er eigentlich machen soll.

In der Kita haben wir oft getanzt, und ich habe auch Ballettunterricht. Deshalb wäre es toll, wenn wir in der Schule tanzen würden und auch singen.

Außerdem würde ich gern ganz viel basteln. Zum Beispiel Pferde aus Pappe – mit Kopf, Hufen und Schwanz, die man dann anmalt. Und wenn ich mir wirklich alles wünschen darf, dann hätte ich gern noch ganz viele richtige kleine Affen, die sich an Ästen durch die Schule schwingen, ein echtes Pferd, wie das von Pippi Langstrumpf. Das soll bei uns im Klassenzimmer wohnen und uns beim Lernen zugucken. In der Sportstunde könnten wir dann auch auf dem Pferd reiten.

Und ich hätte gern im Unterricht einen sprechenden Schuh, der mir helfen könnte, wenn ich mal etwas nicht weiß.“ dma

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