Berliner Schulen : Gymnasien bleiben im Prüfungsstress

06.09.2012 07:24 Uhr

Bildungssenatorin Scheeres senkt zwar die Pflichtzahl bei den regulären Klausuren, beharrt aber auf dem Mittleren Schulabschluss für alle. Eltern und Gymnasien reagieren enttäuscht.

Gymnasien dürfen jetzt auch Gymnasien heißen


Dem Landeselternsprecher Günter Peiritsch geht dieses Entgegenkommen aber nicht weit genug. Angesichts der starken Belastung der Gymnasiasten durch das „Turboabitur“ hält er mit dem Landeselternausschuss daran fest, dass die schriftlichen MSA-Prüfungen entfallen müssen. Die Schüler, die die Gymnasien nach Klasse 10 verlassen wollen, könnten die drei MSA-Klausuren an einer benachbarten Sekundarschule schreiben, schlägt er vor. Der Verband der Oberstudiendirektoren hält es für sinnvoll, dass lediglich schwache Gymnasiasten an der MSA-Prüfung teilnehmen. Der Vorsitzende Treptow verweist auf die anderen Bundesländer: Nirgendwo müssten die Gymnasiasten die gleichen Prüfungen wie die Sekundarschüler ablegen. Aufgrund der unterschiedlichen Leistungsniveaus der Schüler mache das auch keinen Sinn.


Scheeres äußerte sich in der Ebert-Stiftung auch zur generellen „Rollenverteilung“ zwischen den beiden Berliner Schulformen. Die Sekundarschulen sollen nach ihren Worten „jedem“ eine Bildungslaufbahn bieten, die Gymnasien „so viel Schülern wie möglich“. Die Gymnasien deuten diese Formulierung aber als weiteren Hinweis darauf, dass die Bildungsverwaltung auf eine Nivellierung zwischen beiden Schulformen hinarbeitet.
In einem anderen Punkt kam Scheeres den Gymnasien entgegen: Sie gestattet es jetzt allen Gymnasien, sich als solche auch offiziell zu bezeichnen. Über diesen Punkt hatte es einen jahrelangen bizarren Streit gegeben. Zuletzt galt die Regelung, dass sich alle Gymnasien „Schule“ nennen mussten und die Bezeichnung „Gymnasien“ nur in Klammern führen durften. Zudem kündigte Scheeres an, dass das Lessing- und Leibniz-Gymnasium zum Februar in Ganztagsschulen umgewandelt werden.
In Bezug auf die Rückläuferproblematik sagte Scheeres, ihre Zahl müsse reduziert werden, indem die Beratung der Eltern besser werde und früher stattfinde. Konkreter wurde sie nicht.

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