Berliner Schulen : ''Schulschläger'': Mutter erhebt schwere Vorwürfe

Hat ein Neunjähriger an einer Berliner Grundschule nun drei Lehrer geschlagen, oder hat er sich nur gewehrt, weil ihn die Pädagogen zu hart anfassten? Die Mutter verteidigt ihren Sohn - der Schulleiter hält dagegen.

Tanja Buntrock

Die Mutter des neunjährigen Schülers, der drei Lehrer geschlagen haben soll, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Charlottenburger Ludwig-Cauer-Schule. Süreyya Yilmaz berichtet, dass ihr Sohn Can nicht schuldig sei. Im Gegenteil: Er sei von drei beteiligten Lehrern so hart angefasst worden, dass er Würgemale und Schürfwunden am Hals davon getragen hat. „Ein Arzt hat die Verletzungen attestiert“, sagt die Mutter, die als Bankangestelle arbeitet. Zudem erstattete die Mutter Anzeige bei der Polizei und meldete ihren Sohn gestern von der Schule ab. Auch wehrte sie sich gegen die Aussage des Direktors, ihr Sohn sei bereits seit der ersten Klasse verhaltensauffällig und werde von der Schulstation betreut. „Das hätte doch in seinem Zeugnis gestanden. Außerdem war mein Sohn Klassenbester“, sagt sie.

Wie berichtet, war am vergangenen Freitag bekannt geworden, dass der Schulleiter der Cauer-Schule einen Drittklässler für 14 Tage vom Unterricht suspendiert hat, weil der Junge drei Lehrer geschlagen haben soll. Direktor Manfred Kammerer berichtete, dass Can zuvor den Unterricht gestört und Mitschüler sowie Lehrer provoziert habe. Als der Mathelehrer ihm dann die Zahnbürste, mit der er gespielt habe, wegnahm, soll der Junge ihn geohrfeigt haben. Anschließend habe er wild um sich geschlagen. Dabei hätten auch der Erzieher der Schulstation und eine weitere Lehrerin Schläge abbekommen.

Die Mutter schildert eine andere Version: „Mein Sohn fühlte sich ungerecht behandelt und wollte nicht auf die Schulstation“, sagt sie. Der Mathelehrer und der Erzieher hätten aber versucht, ihn auf den Flur zu drängen. Sie hielten ihn dabei am Pullover fest und zerrten so heftig an der Kapuze, dass Can keine Luft mehr bekam“, sagt sie. Daraufhin habe der Junge sich mit Händen und Füßen gewehrt und auch „dem Lehrer einen Schlag verpasst“, schildert sie. Die Mutter bestätigt aber, dass ihr Sohn mit der Zahnbürste spielte und mit einem Gegenstand warf.

Der Schulleiter hielt dagegen. „Ich bleibe bei meiner Aussage: Der Junge ist seit der ersten Klasse verhaltensauffällig. Das ist unabhängig von seinen Zensuren“, sagte er. Auskunft zum Zeugnis wollte er nicht geben. Zudem glaube er seinen Lehrern, die ausgesagt haben, dass sie den Jungen festhielten, weil er um sich geschlagen habe. „Die Behauptung, sie hätten den Schüler gewürgt, kann ich nicht bestätigen“, sagte Kammerer. Das Attest des Arztes könne er sich nicht erklären. Der Direktor habe die schulpsychologische Beratungsstelle und das Jugendamt informiert. „Der Junge braucht Hilfe. Er muss in eine Therapie“, sagte er. tabu

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