Berliner Schulen : Sicherheit für einen Euro

An neun Neuköllner Schulen gibt es bereits Aufsichtspersonal – ohne Uniform. Ein-Euro-Jobber sollen an der Schule im berüchtigten Kiez von Nord-Neukölln ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.

Daniela Martens

Ein zerrupfter Ball rollt über das Kopfsteinplaster der Donaustraße. Klaus Hessland nimmt die Hände aus den Hosentaschen, hebt den Ball auf und drückt ihn in eine kleine Hand, die aus dem Metallgitter des großen Tors der Rixdorfer Grundschule ragt. Aufgabe erfüllt. Hessland schlendert zurück zu seinem Kollegen Roland Hasseloff. Dann nehmen die beiden Männer auf dem Bürgersteig vor der Schule wieder eine entspannte Haltung an. Außer ihnen ist dort kein Mensch zu sehen. Auf der anderen Seite der Schulmauer toben ein paar hundert Kinder. 9 Uhr 50 am Freitagmorgen. Es ist große Pause.

Die beiden Mittfünfziger sind Ein-Euro-Jobber mit einer besonderen Aufgabe: Sie sollen an der Schule im berüchtigten Kiez von Nord-Neukölln ein Gefühl der Sicherheit vermitteln: Vor allem sollen sie schulfremde Jugendliche vom Gelände fernhalten. Aber auch darauf achten, dass Kinder den Hof nicht verlassen – und auf dem Weg zu ihrem Ball vom Auto angefahren werden. Von sieben bis 16 Uhr sind an der Rixdorfer Schule sechs so genannte MAE-Kräfte in zwei Schichten im Einsatz – und das schon seit 10 Jahren. Die Abkürzung MAE steht für den sperrigen Terminus „Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung“. An acht anderen der 70 Neuköllner Schulen gibt es die Ein-Euro-Aufpasser ebenfalls.

„Wir haben jetzt viel weniger Probleme mit fremden Schülerbanden “, sagt Schulleiterin Marion Berning. Sie ist von dem Modell überzeugt. Und möchte zusätzlich zwei Wachschützer in Uniform für ihre Schule: „Was bewacht wird, ist etwas wert“, sagt sie. Sie erhofft sich davon mehr Ansehen für Schule und Lehrer im Kiez. Auch durch die MAE-Kräfte würde die Schule schon mehr respektiert als vorher. Eine Uniform steigere die Wirkung. Hessland und seine Kollegen tragen lediglich Namensschilder. Und sie dürfen nur mit Worten eingreifen. Im Notfall sollen sie sofort die Schulleiterin und die Polizei rufen. Die beiden sind erst seit ein paar Monaten an der Schule. Sie haben noch keine gefährliche Situation erlebt. Neulich sei eine Gruppe Oberschüler auf den Hof gekommen und habe versucht, den Jüngeren einen Ball wegzunehmen. „Die haben wir ganz höflich des Geländes verwiesen“, sagt Hasseloff.

Aber nicht nur Schüler machten Probleme, sondern auch die Eltern, sagt die Schulleiterin. Wenn ihnen etwas nicht passt, werden sie beleidigend. Und dann gab es sogar diesen Vater, der drohte, die Schule in die Luft zu sprengen. „Es ist wichtig, dass die Lehrer in solchen Situationen Unterstützung haben.“

Und die Schüler bräuchten eine Atmosphäre der Sicherheit, sagt Rektorin Berning. Deshalb haben sie ein Mitspracherecht. Wenn sie einen Ein-Euro-Aufpasser nicht mögen, kündigt ihm die Schulleiterin. Seda aus der 5b ist mit Hessland und Hasseloff aber ganz zufrieden. Sie hatte an diesem Morgen ihre Prüfung zur Verkehrslotsin und die beiden Männer standen an der Straßenecke – für den Notfall. Unterstützung der Schülerlotsen – auch dafür hat Berning die Ein-Euro-Kräfte geholt. „Unser Schulklima ist sehr angenehm“, sagt sie. Gewaltprobleme seien Einzelfälle. „Die Kräfte sind aber nur das Tüpfelchen auf dem i all unserer Bemühungen.“ Die Schule nutze fast alle Projekte, die in der Berliner Schullandschaft angeboten werden, um die sozialen Kompetenzen der Schüler zu wecken : das Fach „Soziales lernen“, Antigewaltseminare der Polizei, Konfliktlotsen, das Buddy-Projekt, eine besondere Schulordnung – Bernings Aufzählung findet kein Ende. Der wichtigste Grund für das gute Klima ist aber wahrscheinlich das Engagement der Schulleiterin: „Ich liebe diese Schule.“

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