Berliner Schulen : Zweifel an Zöllners Reformplänen

Schulleiter und Bezirkspolitiker halten Schulschließungen kaum für machbar. Der Neuköllner Bildungsstadtrat spricht gar von 150 Millionen Euro, die Senator Zöllner für seine Reform benötigen würde - ein unbezahlbares Unterfangen.

Warum müssen wir herhalten und nicht die Gesamtschulen? Warum lässt man eine funktionierende Schulform über die Klinge springen? Das fragen sich viele Realschulleiter, seitdem sie wissen, dass der Bildungssenator ihre Schulen mit den Hauptschulen zusammenlegen will. Und auch aus den Bezirken kommt Kritik am Vorstoß Jürgen Zöllners.

„Die kombinierten Haupt- und Realschulen haben doch schon jetzt nicht genug Anmeldungen“, wehrt Dieter Hapel, CDU-Bildungsstadtrat in Tempelhof-Schöneberg, die Richtung Zöllners ab. Er ist aufgrund der mangelnden Nachfrage sogar gerade dabei, die Schließung einer kombinierten Haupt-/Realschule vorzubereiten: Die Hermann-Köhl- Schule habe nicht genug Anmeldungen von Realschülern gehabt, begründet Hapel sein Vorhaben. Zudem könne er das Gebäude gut für die expandierende benachbarte Grundschule gebrauchen.

Der Leiter der Hermann-Köhl-Schule, Armin Gutt, ist schockiert über Hapels Vorhaben. Seine Schule wurde 1993 kombinierte Haupt-/Realschule – unterstützt von Klaus Wowereit, der damals Schulstadtrat im Bezirk war. Gutt hofft nun angesichts von Zöllners Vorschlag, dass es doch Hoffnung für den Standort gibt.

SPD-Bildungsstadträte wie Wolfgang Schimmang (Neukölln) und Reinhard Naumann (Charlottenburg-Wilmersdorf) sind zwar offener als Hapel für Zöllners Pläne. Aber auch sie melden Zweifel an. So sehen sie nicht, wie Zöllner die rund 50 Schulschließungen erreichen kann, mit denen er einen Teil seiner Reform finanzieren will. „Wir können keinen Standort schließen“, steht für Schimmang fest. Dazu seien einfach zu viele Schüler da. Er geht davon aus, dass etwa 150 Millionen Euro investiert werden müssten, um die neue Schulart mitsamt Ganztagsbetrieb auf die Beine zu stellen, beispielsweise für den Bau von Kantinen und Freizeiträumen. So viel habe man für die Einführung des Ganztagsbetriebs an Grundschulen auch gebraucht.

Auch Naumann weiß nicht, ob er Schulen schließen kann. Dennoch betont er, dass Zöllner mit der geplanten Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen in die richtige Richtung gehe. Insbesondere verteidigt er Zöllners Festhalten am Gymnasium. Wer etwas anderes wolle, ignoriere den Elternwillen und die Tatsache, dass Berlin nicht gegen den bundesweiten Trend angehen könne.

Gegen die Zweigliedrigkeit habe er nichts, sagt auch Uwe Schüsterl, der Leiter der Hemingway-Realschule in Mitte. Allerdings will er, dass die Gesamtschulen von Anfang an mit im Boot sind.

„Man kann so etwas nicht im Schweinsgalopp machen“, warnt aber Wolfgang Schimmang. Und er erinnert daran, dass bald der 1,5-fache Jahrgang in die Oberschulen kommt, der durch die Vorverlegung der Schulpflicht entstanden ist. sve

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