Berlin : Berliner Schwimmhallen: Badegäste müssen draußen bleiben

Susanne Vieth-Entus

Böse Überraschungen in den Berliner Bädern haben derzeit Din-A4-Format und hängen hinter Glas: Die neuen Öffnungszeiten, so meinen viele Schwimmer, sollten treffender "Schließzeiten" heißen. Denn bereits ab April, also noch vor Beginn der Sommersaison, wird in den Hallenbädern der Service drastisch eingeschränkt. Tausende Protest-Unterschriften wurden schon gesammelt - kein leichter Start für den neuen Vorstandschef, der heute vom Aufsichtsrat der Bäderbetriebe gewählt wird und die im Herbst drohende Zahlungsunfähigkeit der Bäderbetriebe abwenden soll.

Über die Personalie herrschte gestern Rätselraten. Nur so viel war zu hören: Es habe mehrere hochkarätige Bewerber gegeben, von denen die Personalfindungskommission dem Aufsichtsrat einen vorschlagen wird. Die Bestätigung durch den Aufsichtsrat gilt als sicher. Wenn der Bäder-Chef am 1. Mai antritt, wird der Interims-Vorstand Ortwin Scholz seinen Posten verlassen.

Unbeliebter als Scholz kann sich sein Nachfolger kaum noch machen. Denn die von Scholz verantworteten Einschränkungen sind drastischer, als zunächst angenommen. Gespart wird nämlich nicht nur bei den Früh- und Spätschichten der Freibäder, die im Mai öffnen. Bereits ab Montag werden viele Nutzer vor verschlossenen Schwimmhallentüren stehen. Da die Regelungen von Bad zu Bad variieren, ist es kaum möglich, einen Überblick zu bekommen.

Beispiel Neukölln. Die Schwimmhalle am Ankogelweg ist bereits ab 9. April für den ganzen Sommer dicht. Aber schon in der Woche vorher seien die Öffnungszeiten eingeschränkt, berichtete dem Tagesspiegel gestern ein ärgerlicher "Vielschwimmer". Rund 1000 Unterschriften seien deshalb schon gesammelt worden. Für die Halle des Kombibades Lipschitzallee sieht es nicht besser aus. Der öffentliche Badebetrieb wird hier vom 5. Mai bis 30. September unterbrochen - im Jahr 2000 waren es nur drei Wochen. Ähnlich ausgeweitet wurden auch die Schließzeiten in der Ganghoferstraße. Nur noch die kleine Halle ist dort zugänglich und auch die nur von 13 bis 21 Uhr, was "60 Prozent der derzeitigen Badezeit entspricht", hat der verärgerte Sport-Stadtrat Heinz Buschkowsky (SPD) ausgerechnet. Er will heute in der BVV seinem Ärger Luft machen - auch darüber, dass die Bäderbetriebe die Bezirke nicht konsultiert haben.

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Dazu kommen die eingeschränkten Angebote der Freibäder: "Südlich der Prinzenstraße gibt es dann kein Freibad mehr, das um 7 Uhr öffnet", bemängelt der Mariendorfer Günter Schneider, der zudem die Verlautbarungen der Bäderbetriebe kritisiert. So sei von schlechter Auslastung des Freibades Rixdorfer Straße die Rede gewesen, ohne zu erwähnen, dass hier seit Einbau einer Solaranlage vor zwei Jahren das Wasser kalt bleibe. Unterschriften wütender Schwimmer werden aber auch beispielsweise in Zehlendorf und Hellersdorf gesammelt: Die Zehlendorfer bangen um ihr sanierungsbedürftiges Bad Clayallee. Die Hellersdorfer wollen am 31. März gegen die verlängerten Schließzeiten der Schwimmhalle Kausldorf protestieren. Dort seien Aqua-Fitness-Kursangebote für die Zeit bis Juni verkauft worden, nun soll das Bad am 5. Mai schließen, schreibt eine Nutzerin. Wunder sind vom Bäderchef nicht zu erwarten. Allein für 2001 fehlen 10 bis 12 Millionen Mark, so die interne Schätzung. Werde nicht drastisch gespart, sei man im Herbst "zahlungsunfähig".

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