Berlin : Berliner sehen Rot: Planer haben Ampeln nicht im Griff

Verkehrslenker weisen generelle Kritik an ihrer Arbeit zurück, geben aber zu, dass es technische Probleme gibt. Erst nächstes Jahr soll alles besser werden

Klaus Kurpjuweit,Christian van Lessen

Staus mit bis zu halbstündigen Wartezeiten, rote statt grüne Welle – Zehntausende Autofahrer ärgern sich täglich, dass der Verkehr stockt. Berlin hat zwar eine der modernsten Verkehrslenkungszentralen in Europa, doch den Stau auflösen kann auch sie nicht. Erschwert wird die Arbeit derzeit, weil es technische Probleme mit neuen Anlagen gibt.

Um 15.10 Uhr fielen gestern fast auf einen Schlag alle rund 2000 Ampelanlagen der Stadt aus – auf dem großen Display in der zentralen Verkehrslenkung im Flughafen Tempelhof. Da, wo vorher noch viele grüne Punkte den reibungslosen Betrieb der Ampeln signalisierten, wurde es schwarz. Doch der Verkehr auf den Straßen rollte weiter. Lediglich die Anzeige sei defekt, die Ampeln funktionierten weiter, versicherte der Leiter der Verkehrslenkung, Rolf Brodback.

Zuletzt musste Brodback heftige Kritik einstecken. Die neue Verkehrslenkung sei nicht in der Lage, den Verkehr flüssig zu halten. Der Verkehrsflieger Ramon Montana hatte am Montag die Verkehrslenkung besonders heftig beschimpft. „Seit die den Laden übernommen hat, tobt das Chaos.“

Brodback versteht die Kritik nicht. Natürlich gebe es Staus, „aber nur sporadisch“, sagt er. Acht Mitarbeiter beobachten in der Anfang April eröffneten Verkehrslenkung den Verkehr – und greifen bei Bedarf ein. Ampeln können aber nur umgestellt werden, wenn es ein Programm für die jeweilige Situation gibt; etwa bei Spielen von Hertha BSC im Olympiastadion. Bis zur Fussball-WM im nächsten Jahr sollen mehr Programme installiert werden, falls das Abgeordnetenhaus das Geld bewilligt. Dann soll es auch Möglichkeiten geben, Autofahrer bei hoher Schadstoffbelastung per Ampelschaltung auf Alternativstrecken zu schicken. Und bei Staatsbesuchen sollen die Anlagen in Zukunft direkt von der jeweiligen Kolonne gesteuert werden – per Satellit.

Grüne Wellen wird es aber weiter immer nur in einer Richtung geben; in der Gegenrichtung funktioniert sie dann logischerweise nicht. Dies liege an den unterschiedlich großen Entfernungen der Kreuzungen. Grüne Welle überall sei nur möglich, wenn die Straßen im gleichmäßigen Schachbrettmuster angelegt seien, so Brodback.

Vorwürfe, die Verkehrslenkung schränke bei Baustellen den Verkehr schon ein, bevor es überhaupt nötig ist, wies Brodback zurück. Die Kritik werde er aber prüfen lassen. In der Regel sollten bei Tagesbaustellen die Arbeiten nicht vor 9 Uhr beginnen und gegen 15 Uhr beendet sein.

Probleme gebe es derzeit vor allem bei neuen Ampelanlagen. Weil anders als früher Siemens nicht mehr der alleinige Lieferant sei, müssten die Anlagen auch zu den Produkten anderer Hersteller passen. Und hier gebe es derzeit Schwierigkeiten beim Übertragen der Daten.

Auf die Eröffnung des Tiergartentunnels, voraussichtlich, im November, sei man bei den Ampelanlagen vorbereitet. „Das wird funktionieren“, so Brodback.

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