Berlin : Berliner Senatswahl: Finanzsenator Thilo Sarrazin: Ausgaben Berlins 20 Prozent zu hoch

Ulrich Zawatka-Gerlach

Zum Thema Online Spezial: Rot-Rot in Berlin
Kurzporträt: Der neue Senat Mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit steht er schon seit vergangener Woche in Verbindung. Nicht wegen des Senatsamts, in das Thilo Sarrazin gestern gewählt wurde. Es ging um ein ganz anderes Thema. Aber Wowereit habe die Gelegenheit genutzt, und ihn gefragt, ob er nicht Finanzsenator in Berlin werden wolle, erzählt Sarrazin. "Ich habe mir 24 Stunden Bedenkzeit ausbedungen, dann habe ich zugesagt". Doch erst am Dienstag bekam er den Zuschlag, weil die SPD bis dahin keine Frau für den schwierigen Posten fand. Mit welchen Gefühlen geht der neue Mann die Aufgabe an, die Berliner Finanzen zu konsolidieren? "Das ist wie ein Ritt auf wildem Gaul im Wilden Westen", sagt er schmunzelnd. Aber, so fügt er hinzu, er habe einen gesunden Optimismus, auch wenn das Amt des Finanzsenators viele Risiken mit sich bringe. Grob überschlägig ist Sarrazin der Meinung, dass die öffentlichen Ausgaben in Berlin um 20 Prozent zu hoch und die Einnahmen um 10 Prozent zu niedrig seien. Und die öffentliche Verwaltung müsse produktiver werden. Nur so ließe sich eine höhere Leistungsfähigkeit herstellen. Die Vorgaben im Koalitionsvertrag, die Personalkosten in der unmittelbaren Landesverwaltung bis 2006 um gut eine Milliarde Euro zu senken, hält Sarrazin für realistisch. "Schaffen wir dies, wäre es ein beachtlicher Teilerfolg". Aber er wisse nicht, fügt der neue Finanzsenator hinzu, ob das langfristig ausreichend sei. Im Vergleich zu Hamburg, Rheinland-Pfalz oder Bayern habe die Berliner Verwaltung etwa 70 000 Mitarbeiter zu viel. Aber bitte, das sei noch keine neue Sparvorgabe, sondern nur ein grober Vergleich. Das Gerücht, er sei im Bundesfinanzministerium eine "persona non grata", bezeichnet Sarrazin als "absoluten Stuss". Richtig sei, dass er mit Bundesfinanzminister Eichel und dessen Staatssekretären immer hart diskutiert habe. Sarrazin lacht zur Frage, ob er ein gefährlicher Mensch sei. "Wenn andere mich so sehen, kann das für mein Amt nur hilfreich sein".

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