• Berliner sind an englischem Fleisch nicht interessiert und halten sich an einheimisches Tier

Berlin : Berliner sind an englischem Fleisch nicht interessiert und halten sich an einheimisches Tier

Julia Meichsner

Frisch, saftig, rot und lecker - Eigenschaften wie diese werden dem britischen Rindfleisch wenig helfen, in Berlin Käufer zu finden. Das glaubt auch Werner Zeidler, Lieferant von Sülzen und Aspikwaren: "Ich würde britisches Rindfleisch meinen Kunden nicht empfehlen". Nachvollziehbare Gründe für eine Einfuhr sieht er nicht: "Es gibt doch genügend Fleisch in Deutschland." Seine Spezialitäten, Rinderzungen und Ochsenmaulsülze, bekommt er ausschließlich aus deutschen Landen.

Der Obermeister der Berliner Fleischer-Innung, Uwe Bünger, findet noch schärfere Worte für das Ende des Exportstopps: "Ich bin dagegen. Der Zeitpunkt ist falsch, da die neuesten Untersuchungsmethoden - der BSE-Schnelltest - noch gar nicht angewendet worden sind." In seinem eigenen Laden setzt er weiterhin auf Markenqualität aus Brandenburg, um die Kundschaft "nicht unnötig zu verunsichern". Diese müssen dafür allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen: Denn für das Fleisch von Brandenburger Rindern muss Bünger im Schnitt eine DM pro Kilo über Normalpreis zahlen, das wirkt sich auch auf seine Ladenpreise aus.

Auch in Berliner Restaurants sind die Tiere aus Großbritannien nicht sonderlich begehrt: Die sechs Berliner Block-House-Restaurants bekommen ihre Ribeye- und T-Bone-Steaks aus den USA und Argentinien, berichtet eine Sprecherin des Unternehmens. Von dort stammt auch das Fleisch, das in den drei Mövenpick-Restaurants der Stadt serviert wird. Qualität sei wichtiger als der billige Einkauf, versichert der Mövenpick-Geschäftsführer im Europa-Center, Heinz-Dieter Heckmann.

Doch selbst die Kantinen- und Krankenhäuser der Stadt scheinen britische Rinder von ihren Einkaufslisten gestrichen zu haben: Norbert Frommann, Fleisch-Lieferant für Großkantinen, Imbisse und rund 70 Schulküchen, erklärt jedenfalls: "Ich verkaufe das nicht. Britisches Rindfleisch lässt sich sowieso nicht vermarkten, wenn man seinen guten Ruf nicht aufs Spiel setzen will." Das Wort des Mannes hat Gewicht: Allein die von ihm belieferten Kantinen kochen jeden Tag 40 000 Essen.

Skepsis herrscht auch in den Supermärkten: Die Rewe-Märkte setzen nach eigenen Angaben ausschließlich auf deutsche Qualität. Davon könne sich der Kunde selbst überzeugen anhand der Etiketten an den Fleischtheken und Kühlregalen des bundesweit größten Lebensmittelhändlers. Das gelte für alle Rewe-Märkte sowie die Filialen von Minimal, HL, Stüssgen, Otto Mess, Kafu, Penny, Kaufpark, toom, Globus und Fegro/Selgros. Auch bei der Metro-Gruppe (real, Kaufhof und extra) ist man vorsichtig, was britische Fleischimporte angeht: "Unsere Einkaufgesellschaft bezieht die Ware aus Südamerika", sagt Sprecher Kowalke. Für das Wurstangebot will er allerdings keine Garantie übernehmen: "Es steht aber drauf, wo die Wurst herkommt."

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