Berlin : „Berliner sind diskret und denken fix“

Kabarettist Mathias Richling ist wieder in der Stadt Seit 25 Jahren jedes Mal für fünf Wochen am Stück

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Kuckuck! In seinem neuen Programm „Der Richling Code“ klopft er kräftig auf den Pappkameraden der deutschen Politik herum.
Kuckuck! In seinem neuen Programm „Der Richling Code“ klopft er kräftig auf den Pappkameraden der deutschen Politik herum.

„Ach, schön Sie zu sehen!“ hört Mathias Richling hin und wieder, wenn er in Berlin Taxi fährt. Viel mehr aber auch nicht, keine Anbiederei, keine neugierigen Fragen, höchstens erzählt der Taxifahrer Richling dann noch seinen neuesten Lieblingswitz. „Die Berliner sind sehr diskret und gleichzeitig fix im Denken“, sagt Richling, der es wissen muss: Seit 25 Jahren tritt er regelmäßig in den Wühlmäusen auf, wohin er im April 1986 von Dieter Hallervorden engagiert wurde und seinen ersten Auftritt wegen einer Grippe mehrmals verschieben musste. „Wie peinlich“, kommentiert Richling und meint es vielleicht gar nicht so. Berlin ist außerdem die einzige Stadt, in der der 58-Jährige während einer Tournee nicht bloß für ein paar Tage, sondern jedes Jahr im Herbst für etwa fünf Wochen gastiert. „Wenn ich wegen meiner SWR-Sendung Studio Richling nicht in Stuttgart wohnen müsste, würde ich nach Berlin ziehen“, erzählt der Kabarettist, der während seiner Berliner Gastspiele stets in einem Wilmersdorfer Hotel wohnt. „Deswegen gönne ich mir jedes Jahr wenigstens diesen langen Besuch.“

Sein aktuelles Programm heißt „Der Richling Code“ und ist vor allem eine bissige, pointenreiche Parodie „auf das gesamte Führungspersonal des Deutschland-Konzerns“, in der unter anderem Guido Westerwelle („Deutschland, das bin jetzt ich!“), Ronald Pofalla und dessen „Fähigkeiten zur Farblosigkeit“ und Angela Merkel („Ich habe die Krise sicher durchs Land geführt“) ihr Fett abkriegen. Die Bögen, die Richling in halsbrecherischem Erzähltempo spannt, sind mitunter so weit, dass die Pointe erst nach 20 Minuten kommt – das Berliner Publikum könne aber trotzdem mühelos folgen, weiß Richling. Das sei es, was er „fix im Denken“ nenne.

Schon zu Studienzeiten hat Richling, der seine Magisterarbeit über Karl Valentin schrieb, politisches Kabarett gemacht. 1989 trat er erstmals mit einer eigenen Sendung im Fernsehen auf, er gehörte jahrelang zur Stammbesetzung der Sendung Scheibenwischer und übernahm bis Ende 2010 die Leitung des Nachfolgeprogramms Satire-Gipfel. Kaum ein Haus kennt Richling so lange und gut wie die 1960 von Dieter Hallervorden gegründeten Wühlmäuse: Erst im „Theater an der Lietzenburger“, dann seit dem Umzug im Jahr 2000 im neuen Sitz, einem ehemaligen Kino der britischen Besatzungsmacht am Theodor-Heuss-Platz. „Es ist eine Wohltat, hier aufzutreten“, sagt Richling.

So viele Jahre auf der Wühlmäuse- Bühne – da hat sich vermutlich einiges verändert? „Das kann ich nicht sagen oder blicken Sie zurück?“ fragt der Schnellredner erstaunt. Er selbst sei immer noch 1,81 Meter groß. Und dann legt er, echt Richling, aus Sicht des nimmermüden Politikbeobachters doch nach: „In den Jahrzehnten nach dem Krieg herrschten in der Politik mehr Niveau und Respekt. Damals wollten die Politiker wirklich Dinge verändern. Heute wollen sie nur noch Karriere machen und stellen ihre Person in den Vordergrund.“ Was schlecht für Deutschland sein mag, ist jedenfalls gut für Richling: Der Stoff geht ihm so schnell nicht aus. Eva Kalwa

Wühlmäuse, Pommernallee 2-4, Charlottenburg, bis 12.11., Di-Sa 20 Uhr, ab 20,50 Euro, www.berlin-ticket.de, Tagesspiegel-Theaterkasse: 29021521

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