Berlin : Berliner sollen nachts ruhiger schlafen

Senat will mehr als 100 weitere Tempo-30-Abschnitte auf Hauptstraßen einrichten. Planer: Wirksamstes Mittel gegen Verkehrslärm

Klaus Kurpjuweit

Tempo 30 soll es möglich machen: Auf 104 Abschnitten von Hauptverkehrsstraßen mit einer Gesamtlänge von 66 Kilometern will der Senat nachts Tempo 30 einführen, damit rund 66 000 Anwohner besser schlafen können. Insgesamt ist das Hauptstraßennetz etwa 1530 Kilometer lang. Auf rund 60 Kilometern gilt bereits jetzt die 30-km/h-Regelung – aus Lärmschutzgründen, an unfallträchtigen Stellen oder auch, um Biber zu schützen.

Nach neuen EU-Richtlinien müssen Städte auch den Verkehrslärm reduzieren. Eine Tempobegrenzung sei beim Straßenverkehr das wirksamste Mittel, sagte gestern Verkehrsplaner Friedemann Kunst von der Stadtentwicklungsverwaltung. Die Planer haben 104 Abschnitte auf Hauptstraßen gefunden, auf denen es möglich sei, das Tempo zu drosseln. Erforderlich wäre es auf einer Gesamtlänge von 101 Kilometern. Doch gleichzeitig haben die Planer lärmbelastete Straßenzüge festgelegt, auf denen es weiter Vorrang für Tempo 50 geben soll.

Zu viel Lärm müssen nachts über 300 000 Anwohner von Hauptverkehrsstraßen ertragen; tagsüber sind es immer noch 230 000. Das Senken der Geschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h werde subjektiv fast als Halbierung des Lärmpegels empfunden, sagte Kunst. Bisher gäbe es bei den Tempo-30-Bereichen einen „Flickenteppich“, klagte Kunst, weil vor allem gut informierte Anwohner eine solche Anordnung durchgesetzt hätten.

Die neuen Tempo-30-Bereiche sollen in diesem Jahr in drei Stufen eingeführt werden (siehe Kasten rechts): Auf 19 Abschnitten in der ersten Stufe mit zusammen sechs Kilometern sei die Anordnung sofort möglich. In der 2. Stufe bei 22 Abschnitten mit einer Länge von 10,3 Kilometern müssen auch Ampeln umprogrammiert werden, was länger dauert. Und auf 63 Abschnitten der dritten Stufe, die zusammen 49,6 Kilometer lang sind, müssen Ampeln umgestellt und Auswirkungen auf das Nachtnetz der BVG geprüft werden. Ob alle Vorschläge umgesetzt werden, wird erst danach feststehen. Gehört werden sollen vorher auch die Ansichten der Bezirksämter, der Industrie- und Handelskammer, der Fuhrgewerbe-Innung und des ADAC.

Lärm reduzieren ließe sich auch, wenn Schlaglöcher beseitigt würden. Hier gibt es aber seit Jahren einen Rückstand. Ob es jetzt zusätzliches Geld für Reparaturen gebe, konnte Kunst gestern nicht sagen.

Weiter auf zusätzlichen Lärmschutz warten müssen auch Anwohner in den Einflugschneisen der Flughäfen Tegel und Tempelhof sowie an Bahngleisen. Die Bahn lehnt es bisher ab, an bestehenden Strecken und Anlagen Lärmschutzwände zu errichten. Ausnahmen gibt es bisher nur für wenige Bereiche; Berlin gehört nicht ins „Lärmsanierungsprogramm“. Ob sich durch die EU-Richtlinien auch hier etwas ändern wird, steht nicht fest.

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