Berlin : Berliner Sport: Steuerparadies für Eisbären und Capitals

Ulrich Zawatka-Gerlach

Was für den Großverdiener das Steuerparadies Monaco, ist für manchen Profiliga-Verein die Sportanlagennutzungsverordnung (SPAN) des Landes Berlin. Der Eishockey-Club "Berlin Capitals", der in der Eissporthalle in der Jafféstraße spielt, hat für 24 Spieltage im Jahr 1999 ein Nutzungsentgelt von 31 533 Mark bezahlt. Das sind nur 3,5 Prozent der Nettoeinnahmen. Der zweite Vertreter Berlins in der Deutschen Eishockeyliga (DEL), die "Eisbären", zahlte im Sportforum Hohenschönhausen sogar nur 1,8 Prozent der Gesamteinnahmen. Wobei sich der Verein "aus organisatorischen Gründen" nicht in der Lage sah, der Sportverwaltung des Senats eine nachprüfbare Kartenabrechnungen vorzulegen.

Man habe sich deshalb auf eine Nutzungspauschale auf der Basis von durchschnittlich 4000 Zuschauern und einem Kartenpreis von 25 Mark geeinigt, teilte die Sportverwaltung dem parlamentarischen Hauptausschuss jetzt mit. Das ergab für 1999 eine Nutzungsgebühr von lediglich 72 000 Mark für 40 Spieltage. Dass beide Profi-Clubs bei der Gebührenberechnung als "förderungswürdige Sportorganisationen" eingestuft werden, sei äußerst fragwürdig, griff Burkhard Müller-Schoenau, Haushaltsexperte der Grünen, gestern ein altes Thema wieder auf. Er verdächtigte die "Berlin Capitals" außerdem, gegenüber dem Senat zu niedrige Zuschauerzahlen angegeben zu haben.

Das Spiel gegen Nürnberg am 1. Oktober 1999 hätten laut Tagespresse 4174 zahlende Zuschauer verfolgt, dem Senat wurden zur Gebührenberechnung nur 3021 Zuschauer genannt. Eine Woche später in Schwenningen die gleiche Diskrepanz: Am Spieltag wurden 4320 Zuschauer gezählt, in der Liste des Sportsenators Klaus Böger stehen 2987 Zuschauer. Weitere Stichproben erhärten bei Müller-Schoenau den Verdacht, dass die "Capitals" möglicherweise geschummelt haben. Wegen des niedrigen Zuschauer-Durchschnitts wurde pro Spiel nur eine Mindestpauschale von 1200 Mark erhoben.

Erst ab 3000 Zuschauern müssen "förderungswürdige" Sportvereine sieben Prozent der bereinigten Bruttoeinnahmen zahlen, wobei nur die Einnahmen ab dem 3001. Zuschauer berechnet werden. Liegt das Entgelt unter 1200 Mark, greift die Pauschale. Aber auch Hertha BSC und Alba können sich über die Nutzungsverordnung des Senats nicht beschweren. Bei 22 nationalen und internationalen Begegnungen kamen 1999 im Olympiastadion 22,4 Millionen Mark Nettoeinnahmen zusammen, von denen nur 1,65 Millionen Mark (rund sieben Prozent) in die Landeskasse flossen.

Der Basketball-Starclub Alba nahm in der Max-Schmeling-Halle 1,75 Millionen Mark ein und zahlte 43 366 Mark (zwei Prozent) Nutzungsentgelt. Die Frage der parlamentarischen Haushälter, ob der Senat an den Werbeeinnahmen von Veranstaltungen in der Schmeling-Halle beteiligt werde, beschied die Sportverwaltung negativ. Die Werberechte lägen laut Pacht- und Betreibervertrag ausschließlich bei der Firma Velomax.

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