Berliner Staatsoper : Versumpfte Verantwortung

Alles kommt später, alles wird teurer. Aber die Schuld dafür trägt natürlich keiner. Ein Kommentar

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Gut Ding will Weile haben. die Baustelle der Staatsoper Unter den Linden
Gut Ding will Weile haben. die Baustelle der Staatsoper Unter den LindenFoto: Sophia Kembowski/dpa

Die Senatskanzlei hat gerade eine neue Imagebroschüre herausgegeben, mit einem fröhlichen Vorwort des Regierenden Bürgermeisters: „Berlin – Eine Erfolgsgeschichte“ ist das Werk überschrieben. Folgerichtig ist darin nichts zu lesen über die Themen, die seit Wochen, Monaten und Jahren Stadtgespräch sind. Nichts steht drin von maroden Schulen, nichts von den chaotischen Zuständen bei den Bürgerämtern oder dem würdelosen Umgang mit Asylsuchenden, nichts zur desaströsen „Verkehrslenkung“ – und selbstverständlich auch kein Wort zu den Milliardengräbern der Stadt, von denen der BER nur das bekannteste ist.

Gäbe es nicht einen Untersuchungsausschuss zur dreisten Fehlplanung der Staatsopernsanierung, wäre auch dieser Skandal des unbekümmerten Umgangs mit öffentlichen Mitteln längst im Mahlstrom der täglichen Verantwortungsverwahrlosung untergegangen. Die Anhörung des früheren Regierenden Bürgermeisters Wowereit hat noch einmal deutlich gemacht, wie das hier so geht: Kosten nahezu verdoppelt auf inzwischen 400 Millionen Euro, Verzögerung der Fertigstellung um Jahre – aber niemand, wirklich niemand hält sich auch nur im Ansatz für schuldig. Doch der Ausschuss wird zeigen: Hier stehen nicht nur die Pfähle des Bauwerks im Sumpf.

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