Berlin : Berliner Stadtreinigung: Erst das Glatteis, dann die Böller

Jörn Hasselmann

Schnee und Eis gehen vor, erst dann kommen zerfetzte Böller und geleerte Sektflaschen. Weihnachtsbäume werden nebenbei mit erledigt. Die Berliner Stadtreinigung räumt derzeit an drei Fronten - und zwar noch einige Wochen. BSR-Sprecherin Thümler sagt, dass die Kombination aus Eis und Silvesterresten die Arbeiten erschwere. Problem ist die Kombination aus Eisschicht, Schneebergen und darin gefrorenem Böllerpapier. "Vorrang hat für uns immer die Schnee- und Glatteisbeseitigung", sagte Sabine Thümler. Einen Termin, wann der letzte Knaller von der Straße gesammelt sein wird, wollte sie nicht nennen, "das hängt vom Wetter ab." FDP-Chef Rexrodt forderte die BSR gestern auf, sich anzustrengen. "Wir zahlen genug Gebühren. Die sollen schnell und picobello sauber machen."

Vorrang haben natürlich Schnee und Eis auf Hauptstraßen und Straßen mit Buslinien. Zu dieser Einsatzstufe 1 gehören 3700 der 7300 Kilometer Straßen mit den dazugehörenden Gehwegen in Berlin. Erst danach wird die Stufe 2 gestreut. Radwege werden in der Praxis gar nicht geräumt, Winterradler können in der Glatteiszeit Nebenstraßen kaum nutzen und müssen auf die Hauptstraßen ausweichen. Der verkehrsberuhigte Viktoria-Luise-Platz zum Beispiel ist seit Weihnachten schnee- und eisverkrustet und für Zweiräder unpassierbar. "Radwege sind nachrangig", räumt BSR-Sprecherin Thümler ein.

Mit Erleichterung hat die BSR zur Kenntnis genommen, dass in diesem Jahr weniger geböllert wurde als im Vorjahr. Wie berichtet wurden Unter den Linden und auf der Straße des 17. Juni nur 250 Tonnen Müll zusammengekehrt, nach 600 Tonnen im Vorjahr. Dort konnten die Männer in Orange leicht und schnell fegen, weil die Fahrbahnen frei waren. Artistische Leistungen müssen sie aber im Rest der Stadt vollbringen - weil überall Autos parken. Wie berichtet, hat die Stadtreinigung in den vergangenen Jahren in zwei Berliner Bezirken getestet, ob ein wöchentlich einstündiges Parkverbot das Kehren erleichtern könnte. Beim ersten Test in Neukölln hatten die Autofahrer sich nicht an das Verbot gehalten, der zweite Test in Wedding war erfolgreicher. Ein berlinweites Ergebnis gibt es nicht. Die Weihnachtsbäume werden in diesem Jahr wieder "flexibel" abgeholt. Die BSR hat sich bekanntlich vor zwei Jahren von den festen Abholterminen für die Bäume verabschiedet, weil immer mehr Berliner den Tag vergaßen und den Baum später an den Rand legten. Seit gestern und bis zum 13. Januar sammeln "Pressmüll- und Ladekranfahrzeuge" die Bäume ein. "Das hat sich bewährt", sagte Thümler. Mit gut 400 000 Bäumen rechnet die Stadtreinigung auch in diesem Jahr (was übrigens bedeutet, dass sich rein rechnerisch neun Berliner einen Baum teilen). Die Stadtreinigung bittet dringend darum, alle Kugeln und jeden Streifen Lametta aus den Nadeln zu klauben, weil Metall nicht kompostiert werden kann. Die 400 000 Bäume ergeben etwa 13 000 Kubikmeter Kompost.

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