Berlin : Berliner Standesämter: Eine Behörde, die alle mögen

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Mürrische Beamte, Langeweile beim Warten im ungemütlichen Behördenflur: Der Gang zum Amt ist kein Vergnügen. Doch es gibt Ausnahmen. Würden die Standesämter Schulnoten erhalten, bekämen sie eine 2+. Und nicht nur deshalb, weil sich sich mit ihnen der schönste Tag des Lebens verbindet. Denn Standesämter sind ja nicht nur für Eheschließungen zuständig, sondern auch für bürokratische Angelegenheiten wie das Ausstellen von Geburtsurkunden.

4500 Berliner beurteilten von Dezember 1999 bis Februar 2000 die Dienstleistungsangebote dieser 23 Ämter. Gefragt wurde im Auftrag der Senatsfinanzverwaltung nach der Erreichbarkeit, den Öffnungs- und Wartezeiten, der Beratungsqualität und dem Hochzeitsservice. "Die Berliner verteilten bessere Zensuren als die Hamburger vor zwei Jahren bei einer ähnlichen Befragung", kommentiert Rainer Magnan, dessen Gesellschaft für angewandte Gesundheitswissenschaft die Interviews machte, das Ergebnis. So erhielten die Standesämter der Hansestadt im Durchschnitt die Note 2,2, die Berliner dagegen eine 1,8. In der Wertung schneiden Weißensee, Mitte und Hohenschönhausen am besten ab. Auch Treptow gehört zur Spitzengruppe. Nicht so zufrieden sind offensichtlich die Einwohner Prenzlauer Bergs und Hellersdorfs mit ihren Behörden. Die beiden Bezirke stehen insgesamt an letzter Stelle.

Obwohl 37 Prozent der Befragten mit den derzeitigen Öffnungszeiten zufrieden sind, wünschen sich immerhin 10 Prozent mehr Früh- und Spätsprechstunden. In Hohenschönhausen werden schon jetzt "flexible Sprechzeiten" angeboten, wie der Standesamtsleiter Klaus Hentschel mitteilt. "Die Leute rufen an und vereinbaren mit uns einen Termin", sagt er.

Für Volker Weber, den Amtsleiter in Treptow, ist es wichtig, künftig in Berlin einheitliche Öffnungszeiten anzubieten. "Wir werden uns darum bemühen", verprach er. Im Gegensatz zum Fusionsbezirk Köpenick kann Weber auf sein Amt mit Recht stolz sein. So müssen "seine" Bürger im Durchschnitt nicht mal drei Minuten vor dem Behördenzimmer warten. In Köpenick sind es dagegen fast 16. Den letzten Platz belegt hierbei übrigens Wedding mit 28 Minuten Wartezeit. Bei der Beurteilung der Beratungsqualität der Mitarbeiter liegt Treptow gemeinsam mit Weißensee ganz vorn. Auch der Hochzeitsservice ist im kleinsten Bezirk Berlins am besten. "Das liegt sicher auch an unserem herrlichen Ambiente", sagt die stellvertretende Leiterin, Sabine Poetzsch. Die Brautpaare können sich im Standesamt Weißensee ein Sektfrühstück auf der Terrasse einer denkmalgeschützten Villa schmecken lassen. "Außerdem gehen wir auf die Leute ein und richten uns nach ihren Wünschen."

Wie Frank Feldmann von der Senatsfinanzverwaltung erklärt, ist die vorliegende Studie ein Pilotprojekt. Dadurch sei ein umfassender Leistungsvergleich der Verwaltung möglich. In den kommenden Wochen werden die Ämter das Papier auswerten. Ähnliche Untersuchungen, beispielsweise in den Jugend- oder Sozialämtern, sind geplant.

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