Berlin : Berliner Stimme

Sängerin Senait startet beim Vorwettbewerb zum Grand Prix. Ihr Liebeslied „Herz aus Eis“ soll Punkte bringen

Matthias Oloew

Diktiergeräte sind äußerst praktisch. Vorstandsvorsitzende haben sie, um ihren Sekretären Briefe zu diktieren. Die 27-jährige Sängerin Senait benutzt eines, um zu summen. Ein Beispiel: „Ich sitze im Zug, es fällt mir plötzlich eine Melodie ein, die summe ich dann in das Gerät, und zu Hause setze ich mich hin und schreibe das auf.“ So entsteht Senaits Musik. Am Freitagabend tritt sie bei der nationalen Vorausscheidung zum Grand Prix in Kiel auf. Vor 6000 Zuschauern in der Halle, vor einem Millionenpublikum an den Fernsehschirmen. „Wäre das bei meinen Konzerten immer so, wäre ich die gemachte Sängerin“, sagt sie. So ist es aber nicht. „Derzeit kennen mich 30 Prozent der Deutschen“, glaubt Senait, „und wenn ich gewinne werden es 70 Prozent sein.“

Senait ist neu in Berlin, lebt seit 1987 in Deutschland und macht ihre Musik immer selber. Die Texte dazu auch. Für den Grand Prix macht sie jedoch eine Ausnahme. Sie singt einen Text, der aus einem Wettbewerb unter den Lesern der „tageszeitung“ (taz) hervorgegangen ist. Klar, dass die zierliche Frau, die in Eritrea geboren ist, den Vorwettbewerb gewinnen will. „Herz aus Eis“ heißt ihr Lied, die Liebe ist das Thema. Normalerweise gehört so etwas nicht zu ihrem Standard-Repertoire.

Sie singt sonst Lieder von sich selbst: „Meine Erfahrungen reichen für die nächsten zehn Jahre aus.“ Nur über eines kann sie nicht singen, über Rassismus. Den hat sie in Deutschland, obwohl sie eine dunkle Haut hat, nie erfahren. Deshalb ist ihr auch so wichtig, bei der Endrunde des Sängerwettstreits im lettischen Riga dabei zu sein: „Ich möchte Deutschland als tolerantes, weltoffenes Land zeigen.“ Damit, glaubt Senait, könne sie Punkte sammeln.

Zunächst muss sie am Freitag die Zuschauer für sich gewinnen. Und das heißt für Senait: Augen auf! „Während ich singe, habe ich zu 90 Prozent meine Augen zu, so eins bin ich mit der Musik“, erzählt sie. Aber das gilt als nicht besonders vorteilhaft, wenn vier oder fünf Fernsehkameras auf sie gerichtet sind. Die Zuschauer entscheiden schließlich auch nach dem Äußeren. Und die wollen ihr in die Augen sehen.

Ansonsten wird ihr Auftritt ohne Effekthascherei auskommen. Ein schlichtes Kleid will sie tragen, erzfarben, schulterfrei. Sie wird nicht tanzen oder springen, während der drei Minuten, die ihr Auftritt dauert. Die wichtigsten drei Minuten ihrer bisherigen Karriere. Wenn sie gewinnt, nimmt sie sich zunächst vor allem eins vor: Sie will das Rauchen aufgeben.

Countdown Grand Prix, Live-Übertragung der ARD-Sendung am Freitag auf Kinoleinwand, veranstaltet von der taz, im Eiszeitkino 1, Zeughofstraße 20, Kreuzberg, 20 Uhr .

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