Berlin : Berliner Tagesspiegel

Alle reden von HDTV: Schon am Eröffnungstag ist das gestochen scharfe Fernsehen der Renner

Sebastian Leber

Moritz Kesper ist schwer genervt. Seit zwei Stunden spaziert er durch die Messe-Hallen, und langsam kann er die vier Buchstaben nicht mehr hören: „HDTV hier, HDTV da – ist doch auch bloß Fernsehen, oder?“

Mit dieser Meinung dürfte Kesper heute ziemlich alleine dastehen. Mehrere tausend Menschen sind zum Eröffnungstag der Internationalen Funkausstellung in die Messehallen gekommen, und die meisten wollen unbedingt die neue Technik des hochauflösenden Fernsehens - kurz HDTV - ausprobieren. Das können sie fast überall: Nicht nur, dass die Veranstalter gleich die gesamte Halle 26 zur „HDTV-Halle“ erklärt haben, auch anderswo präsentieren viele Aussteller große, flache Bildschirme, die zumindest „HDTV-fähig“ sind.

Hochauflösendes Fernsehen sei „die Zukunft schlechthin“, sagt Mark Müller vom Satelliten-Betreiber Astra. Wer einmal in einen Fernseher mit 2 Millionen statt den normalen 400 000 Bildpunkten geblickt habe, der wolle am liebsten gar nichts anderes mehr sehen. Und auch die Gerätepreise würden immer erschwinglicher, letztens hätte auch Aldi schon HDTV-Bildschirme verkauft. Von „erschwinglich“ könne überhaupt keine Rede sein, meint dagegen Fernseh-Moderatorin Tita von Hardenberg. Aber auch sie ist von den gestochen scharfen Bildern der neuen Technik „schwer angetan“ und stellt sich bereits vor, wie wunderbar ihre Sendung „Polylux“ wohl mit hoher Auflösung aussehen würde.

Ein paar Hallen weiter steht Sport-Reporter Wolf-Dieter Poschmann am ZDF-Stand und schwärmt nicht nur von HDTV, sondern ganz generell von Breitbildfernsehen: „Je breiter der Schirm, desto mehr Spaß machen Sportübertragungen.“ Das gelte besonders für Fußball und Eishockey, für Tennis eher weniger. Er selbst will sich auch bald einen „schönen, breiten, flachen Bildschirm“ kaufen, aber erst in ein oder zwei Jahren. „Das mache ich wie die meisten: Ich warte, bis die Preise runtergehen.“

Neben HDTV gibt es auf der diesjährigen Ifa noch ein zweites Modewort: Konvergenz. Das bedeutet, dass ein einziges Gerät das leisten soll, wofür bisher eine Hand voll Geräte nötig sind. Also zum Beispiel ein Notebook, das gleichzeitig DVD-Rekorder, Mobiltelefon und Stereoanlage ist. Oder ein Handy, mit dem man fernsehen kann.

So ein Ding hält Olaf Thon in den Händen. Der Ex-Fußball-Nationalspieler steht mittags auf der Bühne am Telekom-Stand und freut sich, dass man sich nächstes Jahr die Spiele der Weltmeisterschaft auf einem Mobiltelefon anschauen könne – schließlich sei es doch so schwer, an Karten fürs Stadion zu kommen. „Für dich bestimmt nicht“, raunt ihm einer aus dem Publikum zu. Zwei Stunden später hat sich das Messegelände schon so gefüllt, dass es an manchen Ständen nur noch langsam oder mit Ellenbogen vorwärts geht. Entspannung bieten da die vielen kleinen Nischen, die Aussteller eingerichtet haben, damit der Besucher in Ruhe die verschiedenen Geräte testen kann: Überall stehen Couches, Liegen, Sessel und große Kissen herum. Sony hat seinen Bereich mit dünnen Vorhängen abgedunkelt und gepolsterte weiße Röhren übereinander gestapelt. Da können sich die Besucher „reinlümmeln“ und die neuen Walkmen in „authentischer Hörumgebung“ ausprobieren, wie es Sony-Mitarbeiter Oliver Kaltner formuliert. Leider muss man anstehen, um sich einen Platz in einer der Röhren zu sichern.

Noch längere Warteschlangen gibt es überall dort, wo Computer zum Spielen aufgestellt sind. Die meisten Zocker sind deutlich unter 18 Jahre alt, so wie der 14-jährige Helge. Er ist schon seit dem Morgen auf der Ifa und nach eigenen Angaben auf „Weiterbildungsexkursion“ – natürlich ohne seine Lehrer zu fragen.

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