Berlin : Berliner Tempo

Andreas Conrad

Als Berliner ist man es gewohnt, dass hier alles länger dauert als anderswo. Und wenn dies durch Zeitmessungen nicht belegt werden kann, so ist zumindest die gefühlte Dauer aller Berliner Aktivitäten von Belang stets der Ewigkeit nah. Tiergartentunnel? Griff nicht als Erster bereits der Alte Fritz zum Spaten? Nun aber ist es endlich so weit, morgen wird die Röhre geöffnet. Manch einer kennt sie schon, als Partyort am Potsdamer Platz oder als Drehort für wilde Verfolgungsjagden. Die wird es am Eröffnungstag garantiert nicht geben, denn wenngleich sich die Prophezeiung, der halbe Tiergarten werde verdorren, bislang nicht erfüllte, so ist eine lockere, zum Rasen einladende Verkehrsdichte angesichts der fast sprichwörtlichen Sensationslust der Berliner ein Ding der Unmöglichkeit. Der absehbare Stau hat freilich sein Gutes. In Ruhe kann man sich fragen, ob die Dauer des Tunnelbaus wirklich so enorm ist. Blicken wir doch zu unseren Nachbarn, nach Frankreich, und dann weiter nach England. Ein Tunnel verbindet seit 1994 Festland und Insel, kein Jahrhundert-, ein Zweijahrhundertwerk, geplant schon unter Napoleon. Verglichen damit war der Tiergartentunnel ruckzuck fertig.

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