• Berliner „Türban“- Lektion Wie türkische Blätter hier und in der Türkei das Neutralitätsgesetz bewerten

Berlin : Berliner „Türban“- Lektion Wie türkische Blätter hier und in der Türkei das Neutralitätsgesetz bewerten

Suzan Gülfirat

Vergangene Woche ging eine Nachricht aus Berlin durch die ganze Türkei: „Kopftuch im öffentlichen Dienst in Berlin verboten“, schrieb das türkische Massenblatt Hürriyet auf der Titelseite und berichtete über das Berliner Kopftuchgesetz auf der Seite mit den Inlandsnachrichten aus der Türkei. Auch türkische Fernsehsender haben diese Nachricht gemeldet. Das türkische Wort für Kopftuch ist „Türban“.

Das Berliner Abgeordnetenhaus hatte am Donnerstag mit den Stimmen der SPD-PDS-Koalition das so genannte Neutralitätsgesetz verabschiedet. Danach dürfen Angehörige des öffentlichen Dienstes wie Richter, Polizisten und Lehrer an staatlichen Schulen keine religiösen Symbole tragen. Nur als reine Schmuckstück sind Halbmonde, Kreuze und Davidsterne künftig noch erlaubt.

„Die Kopftuch-Lektion“, triumphierte die Hürriyet bereits nach der baden-württembergischen Entscheidung, die Referendarin Fereshta Ludin nicht in den Schuldienst zu übernehmen. Ob religiöse Symbole in der Öffentlichkeit getragen werden dürfen, ist seit der Staatsgründung durch Atatürk auch in der Türkei umstritten. Um das Land zu modernisieren, wollte Atatürk, dass keine religiösen Symbole getragen werden und sich alle westlich kleiden. Deshalb dürfen in der Türkei, anders als in Berlin, sogar Schülerinnen und Studentinnen keine Kopftücher tragen. Ministerpräsident Erdogan von der religiös-konservativen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung schickte deshalb seine Tochter mit verhülltem Haupt zum Studium in die USA. „Während die Diskussion in der Türkei anhält, verbietet Berlin das Kopftuch im öffentlichen Dienst“, begrüßte Hürriyet die Entscheidung. Die religiös orientierte Türkiye berichtete neutral über den Beschluss, obwohl sie sich immer für Kopftücher ausgesprochen hatte.

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