Berlin : Berliner verkauften tonnenweise Haschisch

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Von Kerstin Gehrke

Es war ein gigantisches Geschäft: Jahrelang handelten sie mit Rauschgift aus Holland oder mieteten Wohnungen und wandelten sie in Cannabis-Plantagen um. Als die Polizei im August vergangenen Jahres mit 550 Beamten zum Schlag gegen den international agierenden Drogenhändlerring ausholte, gehörte Andreas S. zu den 24 Personen, gegen die Haftbefehl erlassen wurde.

Schlicht gekleidet mit einem grauen T-Shirt unter dem Jackett erschien er gestern vor dem Landgericht. Als wollte er sich an den Grundsatz halten, der in der Bande geherrscht haben soll: Nicht durch einen protzigen Lebensstil auffallen. Der 51-jährige Einzelhandelskaufmann S. soll als ein Fahrer der Organisation knapp zwei Tonnen Haschisch und Marihuana aus Holland und zum Teil auch aus der Schweiz nach Berlin transportiert haben. Von mindestens 65 Schmuggeltouren zwischen August 1998 und Sommer 2001 geht die Anklage aus. Außerdem soll Andreas S. am professionellen Anbau von Cannabis-Pflanzen in Wandlitz beteiligt gewesen sein.

Bei der Großrazzia war im Keller eines Einfamilienhauses eine hochtechnisierte Plantage gefunden worden, bereits vier Monate zuvor ein Treibhaus in Neukölln. Der Angeklagte soll an der Ernte von 38 Kilogramm mitgewirkt haben.

Der Fall ist nach Einschätzung der Polizei innerhalb der organisierten Rauschgiftkriminalität einmalig. Die Bande habe aus mehreren Familien bestanden, „die sich seit ewigen Zeiten kannten“, sagte der Ankläger. Gegen 60 Beschuldigte laufen Ermittlungen. Ihre Millionengewinne verbarg die Bande geschickt und investierte sie in Immobilien und Lebensversicherungen. Wie viel Haschisch und Marihuana insgesamt auf das Konto der Organisation geht, wird möglicherweise nie geklärt. Aber allein von 1996 bis 2000 soll die Bande für mehr als 15 Millionen Euro in Holland fünf Tonnen Haschisch gekauft haben, die dann in Berlin mit riesigen Gewinnen verkauft wurden.

Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen bereits 1999 an der holländischen Grenze: Eine Bank hatte Anzeige wegen Geldwäsche erstattet, nachdem ein Holländer und zwei Deutsche Millionen-Beträge in Gulden getauscht hatten. Kurze Zeit später gab es eine Anzeige einer Berliner Wechselstube, bei der dieselben Personen aufgefallen waren. Das nächste Puzzlestück lieferten Aussagen eines Mannes, der mit 40 Kilogramm Marihuana im Auto geschnappt worden war.

Der „harte Kern“ der Bande soll aus fünf bis sieben Personen bestanden haben. Zwei von ihnen wurden bereits zu hohen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten sich vor Gericht allerdings wortkarg gezeigt. Andreas S. will bis zum nächsten Verhandlungstag am kommenden Freitag entscheiden, ob und in welchem Umfang er sich äußern wird.

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