Berliner Verkehr : Bahnstreik mit Informationspannen

Bahnkunden beklagen spärliche oder falsche Angaben auf Bahnhöfen und im Internet. Auf den Straßen herrschen Staus, in den Bussen Gedränge.

Hannes Heine[Jörn Hasselmann],Klaus Kurpjuweit
S-Bahn
Draußen bleiben: An den S-Bahnen gab es immerhin karge Hinweise. -Foto: ddp

Fährt die Bahn oder nicht? – die Verwirrung um den Streik der Bahner setzte sich auch gestern fort. Zudem gab es eine Reihe von Informationspannen. Erheblich mehr Fahrgäste als beim ersten Streik vor einer Woche standen gestern rat- und hilflos auf den Bahnsteigen oder in den Bahnhöfen. Spärlich waren außerdem die Informationen im angeblich so aktuellen Internet. Der Streik von 8 Uhr bis 10.15 Uhr hatte zu zahlreichen Zugausfällen geführt. Bahnen und Busse der BVG waren viel voller als sonst, und auf der Straße kam es zu Staus.

Nachdem das Arbeitsgericht in Düsseldorf den angekündigten Warnstreik der Lokführer am Montagabend als rechtswidrig bezeichnet hatte, verkündete die Bahn, dass es nicht zum Streik kommen werde. So „informierte“ auch die S-Bahn auf ihrer Internetseite am frühen Morgen noch die Fahrgäste, dass es keinen Streik geben werde. Wer sich darauf verließ und in eine Bahn stieg, musste die Fahrt dann aber gegen 8 Uhr in irgendeinem Bahnhof beenden. Der Streik hatte doch begonnen. Kurz danach sei auch die Internetseite aktualisiert worden, sagte S–Bahn-Sprecher Gisbert Gahler.

Doch auch vor und in den meisten Bahnhöfen gab es nur kleine oder gar keine Hinweise auf den Streik. So kauften sich viele Fahrgäste an Automaten einen Fahrschein und merkten erst auf dem Bahnsteig, dass keine Züge fuhren. Auch am Schalter wurden die Kunden nicht immer auf den Streik hingewiesen.

Selbst von der mit Millionenbeträgen vom Senat alimentierten privaten „Verkehrsmanagementzentrale“ (VMZ) gab es um 9 Uhr kaum aktuelle Informationen auf der Internetseite: „Für heute hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer erneut zu einem Warnstreik aufgerufen. Der Ausstand wird zwischen 8.00 Uhr und 11.00 Uhr durchgeführt“ , hieß es dort. Mehr war bei der VMZ nicht zu lesen, die von Daimler-Chrysler und Siemens geführt wird. Gegründet worden war sie, um die Berliner „schnell, komfortabel und sicher durch die Großstadt“ zu leiten, wie die VMZ selbst wirbt.

Besser funktionierte die telefonische Hilfe der S-Bahn. Nach einer kurzen Bandansage zum Streik berichtete eine Frau gegen 9.30 Uhr: „Wir fahren ein bisschen“, und weiter: „Auf einigen kleinen Strecken fahren wir, es sind ja nicht alle Lokführer in der Gewerkschaft“. Vor allem in den Außenbezirken waren Züge unterwegs, vereinzelt aber unter anderem auch auf der Stadtbahn zwischen Alexanderplatz und Zoo. Auch einige Fern- und Regionalzüge konnten fahren. Allerdings waren sie meist ziemlich leer. Dichtes Gedränge gab es dagegen oft in den Bussen, der Straßenbahn und der U-Bahn. Hier wünschten einige Fahrer nach dem Hinweis auf den Streik „weiter eine gute Fahrt mit der BVG.

Gegen 9.20 Uhr meldete dann auch die VMZ, welche S-Bahn-Linien fahren. Von 9 Uhr an waren wieder mehr Züge unterwegs. Den S-Bahn-Verantwortlichen sei es gelungen, einige Streikende von der Rechtswidrigkeit der Aktion zu überzeugen, sagte S-Bah–Sprecher Gahler. Offiziell beendete die Gewerkschaft den Streik dann aber erst um 10.15 Uhr. Die S-Bahnen fuhren schnell wieder nach Plan, im Regional- und Fernverkehr gab es aber bis zum Abend weiter Verspätungen. Auf den Straßen war der Verkehr nach Angaben der Polizei „etwas dichter“ als sonst. Staus gab es unter anderem auf der Avus ab Hüttenweg Richtung Innenstadt und auf dem Stadtring A 100.

Wer aber etwas über die aktuelle Lage auf den Straßen erfahren wollte, hatte bei der VMZ wiederum Pech. Die Videokameras, deren Bilder von großen Kreuzungen die VMZ ins Internet stellen soll, waren gestern sämtlich abgeschaltet. VMZ-Prokurist Reinhard Giehler sagte, dass die Geräte bereits seit Monaten defekt seien und erst im Herbst wieder funktionieren sollen.

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