Berliner Verkehr : S-Bahn erwartet neuen Fahrgastrekord

Die Berliner S-Bahn rechnet in diesem Jahr mit mehr als 376 Millionen Passagieren und erhofft sich weiteren Aufschwung durch die Umweltzone. Das "schmerzliche Sanierungsprogramm" soll aber fortgeführt werden - unter anderem mit der Automatisierung der Bahnhöfe.

Rainer W. During
S-Bahn
Hat immer mehr Fahrgäste: Die Berliner S-Bahn. -Foto: Manfred Thomas

Die Berliner S-Bahn rechnet in diesem Jahr mit einem neuen Fahrgastrekord. Mit der Einführung der Umweltzone im Innenstadtbereich zum 1. Januar will man weitere Autofahrer auf die Schiene bringen. Das kündigte der Sprecher der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin, Tobias Heinemann, am Montagabend auf einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) an.

Trotz des Wegfalls der sieben Millionen WM-Fahrgäste werde man 2007 nach jüngsten Berechnungen das Vorjahresergebnis von 376 Millionen Passagieren überschreiten, sagte Heinemann. Bis 2015 will die Bahn-Tochter beim Fahrgastaufkommen in Berlin mit der BVG gleichgezogen haben. Gegenwärtig liegt ihr Marktanteil bei 40 Prozent. Dagegen erwartet der S-Bahn-Chef, dass der Anteil der Busbenutzer weiter deutlich schrumpft und auch die U-Bahn leichte Einbußen erleidet.

Schon heute sei zu beobachten, dass immer mehr Fahrgäste zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Bahnhof kommen, so Heinemann. Zum Jahreswechsel will das Unternehmen eine Marketingkampagne zur Umweltzone starten. Dazu gehört auch die Kombination der Jahreskarte mit den Angeboten Carsharing und Call a Bike. „Damit braucht der Card-Inhaber kein eigenes Auto mehr“, meint der S-Bahn-Chef. Beteiligen wird man sich auch an einem Pilotversuch zum Handy-Ticketing. Teilnehmer können ihre Fahrausweise über das Mobiltelefon erhalten (siehe nebenstehender Beitrag).

Beim Streckenausbau setzt die S-Bahn vorrangig auf die direkte Anbindung des Nordringes an den Hauptbahnhof mit der S 21. Aus Sicht von Heinemann sollte die Linie gleich bis zum Potsdamer Platz weitergeführt werden. Über die Finanzierung werde gegenwärtig zwischen Bund und Land verhandelt. Priorität hat ebenfalls die Anbindung des neuen Flughafens BBI in Schönefeld, der Ende 2011 in Betrieb gehen soll. Er wird mit der S 9 und der S 45 über eine acht Kilometer lange Neubaustrecke erschlossen und im Zehnminutentakt angesteuert. Was den Ausbau der Umlandverbindungen beispielsweise nach Falkensee und Velten betrifft, müssen sich zunächst die Länder Berlin und Brandenburg über den Bedarf einigen, sagte der Geschäftsführer.

Um wettbewerbsfähig zu werden, muss die S-Bahn ihr laut Heinemann „schmerzliches Sanierungsprogramm“ bis Ende 2008 fortsetzen. Wie berichtet, gehört dazu unter anderem die Automatisierung der Bahnhöfe. Dagegen hat sich die Sicherheit durch die Mitfahrt von Zugbegleitern ab 21 Uhr deutlich verbessert. Ihr Einsatz soll ausgeweitet werden. Wenig Sinn macht dagegen aus Sicht des S-Bahn-Chefs eine Videoüberwachung. Sie erleichtere zwar die spätere Strafverfolgung, schrecke aber Täter nicht ab. So nehmen die Fälle zerkratzter Scheiben weiter zu, ebenso wie die Graffiti-Schmiereien. Die Beseitigung dieser Schäden kosten die S-Bahn jährlich sechs Millionen Euro – mit deutlich steigender Tendenz.

Ein neues Instandsetzungskonzept und die Optimierung des Fahrzeugsparks sollen helfen, die Kosten zu senken. Ferner will man verstärkt Servicefunktionen des Bahn-Konzerns, beispielsweise bei der Zugreinigung, nutzen. Kein Verständnis hat Heinemann für die Forderungen der Lokführer-Gewerkschaft GDL. Seit Jahresbeginn seien die Triebwagenführer in den DB-Konzerntarif überführt worden, was mehr Arbeit, aber auch mehr Lohn bedeute. Bei einer Annahme der GDL-Forderungen wäre man bei künftigen Ausschreibungen „chancenlos“. Schon jetzt hätten Wettbewerber rund 20 Prozent geringere Personalkosten.

Vehement sprach sich Heinemann gegen die ab 2013 mögliche Ausschreibung eines Drittels des Streckennetzes aus. Um Flexibilität, Pünktlichkeit und Servicequalität zu erhalten, müsse das Gesamtsystem S-Bahn in der Hand eines Betreibers bleiben. Wie berichtet, wollen auch SPD, Linkspartei und CDU erst 2017 das gesamte S-Bahn-Netz neu ausschreiben. Rainer W. During

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