Berliner Verkehr : Taxifahrer sinken in der Gunst des Fahrgastes

Bei einer internationalen Taxi-Umfrage haben Berlins Taxifahrer sehr gute Noten in Sachen Sicherheit und Fahrqualität bekommen. Bei der Freundlichkeit liegt die Stadt aber nur auf Platz neun der Weltrangliste.

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Bei der Sicherheit liegen die Berliner Fahrer vorn. Aber nicht in puncto Freundlichkeit.
Bei der Sicherheit liegen die Berliner Fahrer vorn. Aber nicht in puncto Freundlichkeit.Foto: dpa

Voriges Jahr bekamen die Berliner Taxifahrer Bronze – diesmal kamen sie über den undankbaren vierten Platz nicht hinaus: Bei der mittlerweile dritten internationalen Taxi-Umfrage des zur Expedia-Reisegruppe gehörenden Internetportals. „hotels.com“ bekamen Berlins Taxifahrer zwar in Sachen Sicherheit und Fahrqualität sehr gute Noten. Bei der Freundlichkeit liegt die Stadt aber nur auf Platz neun der Weltrangliste. Sieger der Umfrage sind Londons Taxifahrer, vor den Kollegen in New York und Tokio.

„Wir nehmen das Ergebnis sportlich und werden auf die insgesamt 3200 Unternehmer und 14 000 Fahrer einwirken. Wir müssen uns noch stark verbessern“, sagt Bernd Dörendahl, Vorsitzender der Innung des Berliner Taxigewerbes, der größten Gewerbevertretung der Branche der Stadt. Woran liegt es, dass Berlin abgesackt ist? Da gebe es die unterschiedlichsten Gründe. In London herrsche angesichts der konservativen Höflichkeit generell ein anderer Ton, in Berlin fühlten sich Touristen schnell von der Berliner Schnauze angegriffen. Die Sprache ist das nächste Problem: In England stammen die pakistanischen, indischen und afrikanischen Fahrer aus ehemaligen Kolonien, sprechen alle Englisch. In Berlin besäßen rund 70 Prozent der Taxifahrer Migrationshintergrund und seien, so Dörendahl, „leider des Deutschen nicht immer so mächtig“. Während in England und den USA auch die Kunden ihr Fahrziel in der Weltsprache Englisch angäben, versuchten es hierzulande nur die wenigsten Touristen in der Landessprache. Wenn dann der Fahrer nur gebrochen Englisch spreche, gebe es Ärger.

Es sei aber bei Weitem nicht so, dass nur die türkisch-, arabisch- oder russischstämmigen Fahrer in puncto Auftreten versagten. Dörendahl: „Haben Sie schon mal einen Türken in Unterhemd und Schlabberjogginghose am Steuer gesehen? Damit fallen eher die Deutschen unangenehm auf.“ Um die Lage zu verbessern, müsste die Taxifahrerausbildung verändert werden, sagt Dörendahl. Derzeit wird allein Ortskunde abgefragt, Auftreten und Verhalten werden an den privaten Taxischulen nicht getestet.

Navigationsgeräte im Taxi seien jedenfalls eine Unsitte, sagt der Innungschef. Die könne man manipulieren, der Weg über die Autobahn sei dann vielleicht der schnellste, aber nicht der billigste. Taxizubehör wie bei den Chinesen – Displays für den Kunden in der Kopfstütze – seien hier nicht gestattet. Und dass beispielsweise im kanadischen Vancouver die meisten Taxen längst umweltfreundliche Hybridwagen sind? Dörendahl: „Wenn die Autos in Berlin so günstig sind wie ein Diesel, dann werden unsere Kutscher sie auch kaufen.“

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