Berlin : Berliner Verkehrsbetriebe: Der BVG sind die Fahrer weggelaufen

Klaus Kurpjuweit

Busfahrgäste müssen damit rechnen, dass auch weiter Linienfahrten einfach ausfallen, weil der BVG Fahrer fehlen. Dabei hat das Unternehmen den Markt selbst leergefegt. Derzeit werden deshalb alle Mitarbeiter, die einen Großen Gelben steuern können und dürfen, "auf den Bock" gesetzt. Überstunden sind an der Tagesordnung. Und dabei will die BVG ihren Personalbestand reduzieren, um ihr Sanierungskonzept umsetzen zu können. Die von ihr aufgemachte Rechnung ist aber bisher nicht aufgegangen.

Nach dem Sanierungsprogramm sollten Mitarbeiter der "Stamm-BVG" als Fahrer von Bussen, U- und Straßenbahnen zu der vor einem Jahr gegründeten Fahrdiensttochter Berlin Transport wechseln. Dort gibt es für die Mitarbeiter nicht nur eine rot-violette Dienstkleidung, sondern auch niedrigere Tariflöhne und eine längere Arbeitszeit. So will der Betrieb Kosten senken und wettbewerbsfähig werden. Versüßt werden sollte der Wechsel der Mitarbeiter durch eine Abfindung in Höhe von 100 000 Mark.

Die Mitarbeiter haben auch zugegriffen. Etwa 900 werden sich nach den Prognosen bis zum Jahresende die Abfindung ausgezahlt haben lassen. Doch zur Berlin Transport sind nur wenige gegangen, lediglich etwa ein Viertel. Das Tochterunternehmen musste deshalb erheblich mehr neue Mitarbeiter vom Arbeitsmarkt einstellen als vorgesehen war. Allein seit September kamen 350 neue Fahrer, am Jahresende wird das Tochterunternehmen nach Angaben seines Geschäftsführers Dietrich Dubrowsky damit insgesamt 700 Mitarbeiter beschäftigen. Ziel war es, dass bis zum Jahr 2004 etwa 3800 BVGer zur Tochterfirma wechseln.

Da ausgebildete Busfahrer derzeit auf dem Markt kaum zu finden sind, was auch die privaten Busunternehmen betrifft, musste und muss Berlin Transport die Neuen meist erst ausbilden, was wiederum die Kosten in die Höhe treibt und die Zeit bis zum Einsatz im Liniendienst verlängert.

Der selbst herbeigeführte Exodus bei den Fahrern führte im Sommer dazu, dass auf zahlreichen Buslinien Fahrten einfach ausfielen. Fahrgäste mussten sogar bei den Kurfürstendamm-Linien mehr als eine Stunde auf den Bus warten. Aber auch an Haltestellen zum Flughafen Tegel hielt man häufig vergeblich nach einem Bus Ausschau.

Die BVG reagierte darauf mit einem Sonderprogramm, für das alle Mitarbeiter aufgetrieben wurden, die fahren können, auch aus der Verwaltung. Von dieser haben nur ganz wenige Mitarbeiter den Betrieb - mit der Abfindung in der Tasche - verlassen. Unbestritten gibt es aber gerade in der Verwaltung zu viel Personal.

Auf der anderen Seite können Fahrer, die einen Berg von Überstunden vor sich her schieben, kaum noch motiviert werden, das Unternehmen zu verlassen und zur Berlin Transport zu wechseln, weil sonst ihr Arbeitsplatz auf Dauer nicht gesichert sei. "Wer Überstunden machen muss, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, wird auch gebraucht", sagte ein Mitarbeiter. Und eine Grippewelle oder etwas Ähnliches dürfe dabei überhaupt nicht kommen. Dann könnten die Fahrten erneut nicht mehr garantiert werden.

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