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Berliner Verkehrsplanung : Hilflos gegen die Staustellen

15.11.2012 15:14 Uhrvon und
In der Baustelle am Mehringdamm kommt es immer wieder zu Verkehrsstaus. Foto: Kai-Uwe HeinrichBild vergrößern
In der Baustelle am Mehringdamm kommt es immer wieder zu Verkehrsstaus. - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Verkehrssenator Michael Müller will die Bauarbeiten besser koordinieren, doch das Vorhaben kommt seit Jahren nicht voran. Benötigt würden vor allem mehr Mitarbeiter in der Verkehrsleitzentrale - dafür könnte aber das Geld fehlen.

Baustellenkoordination? Seit Jahrzehnten wird darüber geredet – jetzt will Verkehrssenator Michael Müller (SPD) einen neuen Anlauf machen. Im nächsten Jahr wolle er ein Programm vorlegen, wie die Abläufe beim Bauen auf Straßen besser abgestimmt werden können als bisher, sagte seine Sprecherin Daniela Augenstein. Eine der Forderungen: mehr Personal für die Verkehrslenkung, die bei Baustellen die Umleitungen festlegt.

Bisher bringt es die Behörde fertig, gleich mehrere Ost-West-Strecken gleichzeitig zu blockieren – von der Invalidenstraße über die Straße Unter den Linden und die Behrenstraße bis zu den Uferstraßen am Landwehrkanal.

Und Baufirmen, aber auch die BVG klagen darüber, dass durchaus ein Jahr vergehen könne, bis ein Antrag auf das Sperren einer Straße bearbeitet sei.

In der für die Baustellenkoordination zuständigen Verkehrsleitzentrale sind derzeit insgesamt 109 Mitarbeiter beschäftigt. Neben den Baustellen kümmern sie sich unter anderem auch um die Ampelsteuerungen; gearbeitet wird im Dreischichtbetrieb. Wie viele Mitarbeiter man zusätzlich braucht, werde derzeit ermittelt, sagte Augenstein. Falls keine Umorganisation in der Behörde selber möglich ist, müsste Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) neue Stellen genehmigen. Und das wird schwierig.

So bleibt es auch ein Kreuz mit dem Verkehr in Kreuzberg. Autofahrer müssen für ihre Fahrten wegen diverser Bau- und Straßenarbeiten mehr Zeit wegen Staustillstands einplanen. Und Fahrradfahrer sehen sich ihrer Spuren beraubt und müssen sich eng an den rechten Fahrbahnrand quetschen, um nicht womöglich von ungeduldigen Verkehrsteilnehmern gestreift zu werden. Doch einige der Bauarbeiten sollen langfristig dem besser abfließenden Verkehr und der Sicherheit der Radler dienen, wirbt Franz Schulz, grüner Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, um Verständnis.

Beispielsweise sollen die Arbeiten im Kreisverkehr am Kottbusser Tor die bislang gefährliche Lage für Fahrradfahrer entschärfen. „Die Gehwegecken werden vorgezogen, damit der abbiegende Autofahrer die Radfahrer vor sich sehen kann“, erläutert Bezirksbürgermeister Schulz. Aber auch Autofahrer sollen weniger Crashs bauen: Die meisten nutzen den Kreisel ja nur zur Durchfahrt in Ost-West-Richtung oder umgekehrt, aber wenn doch mal einer auf der Außenspur weiter nördlich im Kreis fährt, während der Kontrahent plötzlich nach rechts herausfahren will, kommt es zu Kollisionen. Die wenigsten der verärgert im Stau stehenden Verkehrsteilnehmer wissen wohl, dass es langfristig hier ums eigene Wohl geht; so werden auch Radfahrerampeln und Verkehrszeichen angepasst, alles wird Schulz zufolge wohl bis zum Frühjahr dauern.

Die größte Staufalle im Bezirk ist die Oberbaumbrücke. Die wichtige Verbindung zwischen Friedrichshain und Kreuzberg kann nur als Einbahnstraße genutzt werden und ist in Ost-West-Richtung gesperrt. Verkehrsteilnehmer müssen mindestens bis Mitte 2013 über die Schilling- und Elsenbrücke ausweichen. Unter der Brücke errichten die Wasserbetriebe ein Regenrückhaltebecken, um die Qualität der Spree, aber auch des Grundwassers zu verbessern. Das Nachsehen haben hier wie an vielen anderen Baustellen die Radfahrer: Für eine zusätzliche Abbiegespur auf der Ersatz-Brückenroute an der Schillingbrücke musste die Radspur genutzt werden. Ähnlich riskant in den Autoverkehr quetschen müssen sich Radfahrer derzeit auch auf der Südseite der Frankfurter Allee Richtung Osten: Da ist wegen der Bauarbeiten eine Radspur auf die Fahrbahn gelegt worden, laut Schulz „rund 40 Zentimeter breit, da passt noch nicht mal ein Lenker rein, das ist geradezu eine Provokation“.

Radfahrer können wiederum derzeit problemlos in die Stresemannstraße einfahren, die aber Richtung Potsdamer Platz derzeit nur für Anlieger zu befahren ist. Dort vergrößern die Berliner Wasserbetriebe einen Mischwasserkanal unter der Straße. Dieser werde laut den Wasserbetrieben auf einer Länge von knapp 650 Metern auf einen Durchmesser zwischen 50 und 120 Zentimeter hydraulisch erweitert. Zusammen mit dem Mischwasserkanal werden auch die Schächte und Straßenabläufe erneuert, zudem müssen rund 40 Meter einer Trinkwasserleitung neu verlegt werden; im Frühjahr 2013 soll alles überstanden sein.

Derweil bitten Bauherren und Bezirk die Berliner und Berlin-Besucher um Verständnis, selbst der derzeit von Staustellen so geplagte grüne Bezirksbürgermeister Franz Schulz. „In einer Großstadt wie Berlin alle nötigen kurz- und langfristigen Arbeiten der Versorger, der Straßenbehörden oder auch der Telekom zu koordinieren, ist wirklich eine Herausforderung“, sagt Schulz im Hinblick auf Müllers Pläne.

Hätte man jetzt beispielsweise mit dem „Kotti“ gewartet, wären womöglich in der Zwischenzeit schwere Unfälle passiert. „Private Haushalte und auch Gewerbebetriebe wollen ihre Internetverbindungen, ihre Strom- und Wasseranschlüsse nutzen können“, so der Bezirksbürgermeister, „und an manchen Straßenecken bekommt man vor lauter Kabelsträngen ja schon keinen Baum mehr in die Erde.“

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