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Berliner Vermieter : Dein Haus gehört mir

22.12.2012 00:00 Uhrvon
Zuhause. Jedenfalls für die Bewohner. Für ihre Vermieter ist es Anlageobjekt.Bild vergrößern
Zuhause. Jedenfalls für die Bewohner. Für ihre Vermieter ist es Anlageobjekt. - Foto: Thilo Rückeis

Die Renditen? Klein. Das Image? Mies. Sanierung ohne Teuerung? Für Private kaum machbar. Viele Vermieter versuchen, Markt und Menschlichkeit dennoch zu verbinden. Der knapper werdende Wohnraum stellt auch sie vor Herausforderungen.

PROLOG

Der alte Herr mit dem karierten Hemd hat ein Haus und ein Problem: nicht mehr alle Bretter im Schrank. Genau genommen hat er gar keinen Schrank mehr, sondern nur noch zwei Schranktüren, den ganzen Rest – Schrauben, Bretter, Wände – hat seine letzte Mieterin einfach mitgenommen, als sie vor einigen Wochen auszog, und deshalb ist der alte Mann jetzt hier, in der Wilmersdorfer Geschäftsstelle von „Haus und Grund“, in der Lietzenburger Straße, zur Rechtsberatung.

„Das geht doch nicht“, sagt der Mann, der seine Bretter zurückhaben möchte, und ob man die Bretterdiebin nicht vor Gericht bringen könnte.

Das sei schwierig, sagt der hiesige Haus-und-Grund-Vorsitzende Wolfgang Becker, denn dann müsse der Vermieter dem Richter genau sagen können, wie die Bretter aussahen, die jetzt fehlen, und Fotos von ihnen habe er wohl keine gemacht.

Das stimmt, sagt der alte Mann, und so beschließen die zwei, der Mieterin einen Brief zu schreiben, dass sie bitte schön die Bretter zurückbringen möge, und der alte Mann geht und hinterlässt einen schönen Eindruck davon, was das bedeuten kann: in Berlin Hausbesitzer zu sein. Die Kämpfe von Kiezbewohnern und Großinvestoren, die Geschichten von en bloc gekauften und in Eigentum verwandelten Häuserzeilen, die Diskussionen um Mietwucher und Gentrifizierung, der Zorn auf im Netz verrufene Firmen wie Taekker Immobilien oder Franell Consulting, die für diesen Text nicht mit uns reden wollten, könnten ferner nicht sein. Besitzen heißt hier: Bretter suchen.

Dies ist eine Geschichte über Vermieter. Über Menschen und Unternehmen, deren Image sich in letzter Zeit irgendwo zwischen Erpresser und Drückerkolonne eingependelt hat. Was denken sie über steigende Mieten? Welche Verantwortung sehen sie für die Menschen, die in ihren Häusern wohnen? Und wie fühlt es sich eigentlich an – ein Feindbild zu sein?

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