DIE ALTEN

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Berliner Vermieter : Dein Haus gehört mir
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Grafik: Tsp
28.02.2012 15:10

„Estote fortes – seid stark“ heißt im Internet das Motto der Wilmersdorfer Vermieter von „Haus und Grund“. Es ist ein Slogan wie geschaffen für eine Ordensburg kraftstrotzender Hausbesitzer aus dem feinen Westen. Es ist ein Slogan, der leicht irritiert, wenn man schließlich vor der Geschäftsstelle steht, ein in die Jahre gekommener Hinterhof, an der Straße der gute, alte Jägerzaun, die Eingangstür mit Milchglasscheibe, dahinter geklöppelte Gardinen.

Was die Diskussionen um Großinvestoren aus der ganzen Welt gerne vergessen lassen: Ein wesentlicher Anteil, rund 400 000 der insgesamt knapp 1,9 Millionen Berliner Wohnungen, gehört nach wie vor privaten Kleinanlegern, schätzen Experten. Menschen, die vielleicht eine Wohnung vermieten, vielleicht auch ein paar Häuser. Wie viele dieser kleinen Fische, die zusammengenommen einen großen Schwarm ergeben, es auf dem Berliner Wohnungsmarkt gibt, weiß niemand genau, eine umfassende Statistik über die Besitzverhältnisse gibt es nicht.

Was man weiß: Rund 7 500 der privaten Besitzer sind Mitglied beim Berliner Landesverband von „Haus und Grund“. Und einige von ihnen – rund 1000 Mitglieder – werden von der Wilmersdorfer Geschäftsstelle aus betreut, kommen also zu Rechtsanwalt Wolfgang Becker, 67 Jahre, braun kariertes Jackett, blau-silbern gestreifte Krawatte, in die Beratung, seit Jahren schon

.In die Jahre gekommen sieht es da auch aus: In einer umgebauten Zweizimmerwohnung stehen ein Minitannenbaum aus Plastik, prähistorische Telefone und der Schreibtisch einer Sekretärin, an dem ein paar Kinderzeichnungen hängen. Zeitmaschinengefühl, nächster Halt: 1970er Jahre. So muss er gewesen sein, der Geist von West-Berlin, als Männer noch Manne hießen, ein Wort etwas galt und Kaffeeweißer „lecker“ war. 1890 wurde der Verein gegründet, ist ganz altes West-Berlin – und trotzdem auf einmal mittendrin in einer Zukunftsdiskussion. Darüber, welche Verantwortung Vermieter jetzt und in Zukunft tragen sollen, in einer wachsenden Stadt mit schwindendem Wohnraum. „Ich sehe Anzeichen einer Neiddebatte“, sagt Becker nun. So wolle zwar jeder Sparer für sein Geld Zinsen bekommen. „Und gleichzeitig wird derselbe Anspruch bei Vermietern oft negiert. Zumal ich schätze, dass bei den meisten unserer Kunden mehr als zwei Prozent Rendite ohnehin nicht drin sind.“ Es sind diese geringen Gewinnspannen, die dazu führen, dass Vermieter mitunter mit großem Ehrgeiz verloren gegangenen Schrankbrettern nachjagen.

Die meisten Vermieter, mit denen er zu tun habe, sagt Becker, seien vor allem an einer pünktlichen Miete interessiert. „Hauptsache kein Ärger und das Geld auf dem Konto“, sagt Becker, bei dem Vermieter in die Beratung kommen, die, das sagt zumindest Becker, seit über zehn Jahren die Miete nicht erhöht haben. „Es gibt viele, die wollen vor allem ihre Ruhe und wenig Stress.“

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