DIE INVESTOREN

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Berliner Vermieter : Dein Haus gehört mir
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Für Menschen wie Stefan Baumgartner ist die Lösung für alle Probleme einfach: mehr bauen. Der gebürtige Salzburger lebt seit 15 Jahren in Berlin und ist Geschäftsführer der Kaphag Vermietung und Projektmanagement GmbH, nach eigenen Angaben eine der führenden mittelständischen Immobilienfirmen Deutschlands. Baumgartner kauft und vermietet Wohnungen innerhalb des S-Bahn-Rings, selber bauen lässt er nicht. Es ist die alte Geschichte vom scheuen Reh Kapital, furchtsam auf der Lichtung, leicht aufzuschrecken durch Begriffe wie Mietobergrenze oder Mietminderung.

„Die Politik wirft einem Knüppel zwischen die Beine. Jegliche weiteren Reglementierungen führen dazu, dass sich ein Investor überlegt, sein Geld woandershin zu stecken, völlig egal, ob Anleihen, Unternehmensbeteiligungen oder auch Kunst. Warum sollte man bauen, wenn man damit kein Geld verdienen darf“, sagt Baumgartner, der Mann, der selber zur Miete wohnt, im vierten Stockwerk ohne Fahrstuhl, weil es billiger ist, monatlich 8,50 Euro Kaltmiete für den Quadratmeter zu zahlen, als die Wohnung zu kaufen.

Einen Widerspruch zwischen Renditestreben und Verantwortungsgefühl für seine Mieter sieht Baumgartner nicht. „Der Mieter ist mein Kunde. Natürlich könnte ich mit der Miete nach oben gehen, aber dann würden einige bei mir ausziehen. Und neue Mieter suchen kostet richtig Geld“, sagt Baumgartner – und meint den Leerstand, die Suche nach neuen Mietern, die Sanierung. 30 000 Euro könne die bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung ohne Weiteres kosten, sagt Baumgartner. Und deshalb würde auch die Miete steigen, steigen müssen. Von derzeit fünf Euro bei Bestandsmietern auf durchschnittlich 7,50 Euro – um die Mehrausgaben wieder zu verdienen.

„Als Hausbesitzer ist man der Buhmann und nur schlechten Vibrations ausgesetzt. Das fühlt sich nicht gut an“, sagt Baumgartner. Und dass man doch überlegen möchte, wie die Häuser in Ostberlin nach der Wende ausgesehen haben, zerfallen, kaputt, sanierungsbedüftig. „Je geringer die Renditemöglichkeiten sind, desto schlechter können die Häuser instand gehalten werden.“ Für jeden Quadratmeter legt Baumgartner, sagt er, daher monatlich etwa 1,50 Euro zurück. Die werden eingesetzt, „nur um den Status quo zu erhalten, ganz zu schweigen von energetischer Sanierung oder anderen Verbesserungen“. Die seien damit nicht zu schaffen.

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