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Berliner Vermieter : Dein Haus gehört mir
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Über weniger Stress wäre Danilo Celli an diesem Montagnachmittag wahrscheinlich froh. Stattdessen ist es kurz vor fünf Uhr, als der 45-jährige Italiener zum ersten Mal seine neue Wohnung in Schöneberg betritt. Die Luft schmeckt säuerlich nach Bauschutt, drei Handwerker haben den Boden aufgerissen und neue Fenster eingebaut, an deren Innenseite jetzt das Kondenswasser rinnt. In der Raummitte stapelt sich ein Haufen Baumaterial, aus dem irgendwann ein Parkettboden werden soll, aber nicht jetzt, sagt der Makler, denn es sei zu feucht in der Wohnung, der Winter, der Schnee. Herr Celli wohnt an der Adria, ein beliebter Badeort, auch im Dezember selten unter zehn Grad. Er sieht ein wenig skeptisch aus.

Um mit seinem richtigen Namen in der Zeitung zu stehen, ist er zu schüchtern. Dabei ist er als Südeuropäer, der sein Geld auf dem Berliner Wohnungsmarkt retten will, längst in bester Gesellschaft. Immer mehr Italiener, Griechen, Spanier kaufen Wohnungen in Berlin. Zu unübersichtlich ist die Lage in ihren Heimatländern, zu groß die Angst vor einer wertevernichtenden Euro-Krise. „Wenn Deutschland die Lokomotive Europas ist, möchten wir gerne einen Platz beim Lokführer haben. Der italienische Waggon steht eher auf dem Abstellgleis“, sagt Danilo Celli. Von der Debatte um steigende Mieten hat er nichts mitbekommen, warum auch? Aus italienischer Sicht ist Berlin immer noch ein Schnäppchen, rund ein Drittel des Preises, den man in Rom für Wohnungen zahlen müsse.

Herrn Cellis Schnäppchen ist 45 Quadratmeter groß und hat ihn fast 110 000 Euro gekostet. Ein stolzer Preis für eine Etagenwohnung in einem schmucklosen Zweckbau in der Nähe der Julius-Leber-Brücke. „Ich will keine Riesengewinne“, sagt Danilo Celli. Und dennoch werden seine Mieter in dieser einfachen Lage schon zu Beginn eine Kaltmiete von knapp neun Euro zahlen müssen, auch wenn der Mittelwert für diese Gegend laut Berliner Mietspiegel bei 6,11 Euro liegt. Was auf den ersten Blick nach Wucher aussieht, hat einen einfachen Grund: Mit der steigenden Nachfrage steigen die Preise. Erst im Wohnungskauf, dann in der Wohnungsmiete. Danilo Celli hat für jeden Quadratmeter mehr als 2400 Euro bezahlt. Die müssen jetzt wieder reinkommen.

Es verlangt eine Menge Fantasie, sich vorzustellen, wie aus dieser Wohnung das schmucke Appartement werden soll, das Herr Celli bald vermieten möchte. Ob man denn das Thermostat austauschen könne, fragt Herr Celli, er würde auch dafür bezahlen, nur bitte nicht dieses hässlich-graue Plastikding an der Wand. Das könnte eng werden, sagt Ruth Stirati, denn so sehen Thermostate nun einmal aus.

Stirati ist Cellis Kontakperson für einen einigermaßen engen Draht zu seinen künftigen Mietern. Die gebürtige Römerin lebt seit fast 20 Jahren in Berlin. Vor fünf Jahren fing sie an, Wohnungen in Berlin an Italiener zu vermitteln, die hier investieren wollen. Mittlerweile brummt das Geschäft, jährlich gut vierzig Wohnungen vermittelt Stirati, die mit verschiedenen Berliner Maklern kooperiert, in vielen Fällen kümmert sie sich anschließend auch um die Verwaltung. Neun Mitarbeiter hat ihre Agentur mittlerweile. Wie aber sollen ihre Wohnungen bezahlbar für Mieter bleiben, wenn schon die Kaufpreise derzeit nach oben schnellen? „Wir machen keine Luxussanierungen“, sagt Stirati. Die Rendite ihrer italienischen Kundschaft liege bei rund drei Prozent, bei einer aktuellen Inflationsrate von gut zwei Prozent – nicht viel für Celli, aber genug für eine saftige Mietsteigerung.

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