DIE STÄDTISCHEN

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Berliner Vermieter : Dein Haus gehört mir
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Im Märkischen Viertel hingegen wird im großen Stil energetisch saniert – ein Vorhaben, das fast 500 Millionen Euro in acht Jahren verschlingt, wie Jörg Franzen sagt, Vorstand der Gesobau. Die Trabantensiedlung am Stadtrand ist fest in der Hand der städtischen Wohnungsbaugesellschaft – gut 13 000 der rund 40 000 Wohnungen der Gesobau befinden sich in den Blocks des Märkischen Viertels. Damit ist auch die Gesobau ein wichtiges Puzzlestück auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Etwa 280 000 Wohnungen vermieten die sechs verbliebenen kommunalen Wohnungsunternehmen insgesamt in der Stadt, knapp jede siebte Wohnung in Berlin gehört damit dem Land selbst – und ist, dank öffentlicher Förderung, ein bisschen unabhängiger vom Markt. Hier soll alles etwas netter zugehen, den Mietern zugewandt, weniger hart als auf dem freien Wohnungsmarkt. „Wir sind nicht die Preistreiber der Stadt“, sagt Franzen. So lege die Gesobau bei Sanierungen nicht elf Prozent, sondern nur neun Prozent der Kosten auf die Mieter um.

„Ich kann alle nur einladen, zu uns zu kommen“, sagt Jörg Franzen. Bis zu einer Million Euro gebe die Gesobau jährlich für soziale Projekte aus – bei Umsatzerlösen von rund 217 Millionen Euro. Davon profitieren auch im Märkischen Viertel Sozialprojekte wie Hausaufgabenhilfe, Schulinitiativen und Beratungsstellen für Migranten. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass selbst die schnellste U-Bahn vom Märkischen Viertel in die Stadtmitte immer noch eine knappe halbe Stunde unterwegs ist.

Entsteht hier die neue Banlieue, in der diejenigen wohnen müssen, für die in der Innenstadt kein Platz mehr ist? „Nicht mal ansatzweise“, sagt Jörg Franzen, wesentlich besser als sein Ruf sei die Großsiedlung, mit Kriminalitätsraten, die schon lange im unteren Durchschnitt Berlins lägen. Und doch bleibt – obwohl sich die Wohnungen der „Städtischen“ insgesamt gleichmäßig über die Stadt verteilen – die Frage, inwieweit dort, wo bei steigenden Mieten gerade in den Innenstadtbezirken auch stadteigene Unternehmen nicht reine Geldverbrenner spielen dürfen, langfristig die soziale Entmischung überhaupt zu stoppen ist.

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