Berlin : Berliner verreisen kürzer, spontaner und billiger

Die ITB soll den Trend umkehren hoffen die Manager der Branche

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Ab heute trifft sich die Welt in Berlin – auf der Tourismusbörse ITB. Auch die Berliner zieht es in die Welt hinaus: Traditionelle „Nestflüchter“ seien sie, heißt es beim Bundesverband der Tourismuswirtschaft. Doch in Zeiten von Kriegsangst und Wirtschaftskrise ändern sich die Ansprüche: Die Berliner verreisen kürzer, spontaner und billiger – auf diese Formel kann man die aktuellen Erkenntnisse der lokalen Reisebranche bringen.

„Billig, billig, billig, das wollen heute alle“, heißt es im DerpartReisebüro in Schöneberg. Deshalb stehe seit zwei, drei Jahren die Ostsee hoch im Kurs. Diejenigen, die sich im Urlaub etwas gönnen und für mehr Komfort bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen, würden seltener, die Mittelschicht verschwinde. Den Trend zum budgetbedingten Deutschlandtrip bestätigt auch Holger Paetz von der Flugbörse: „Ostsee und Thüringen haben sich zu Rennern entwickelt.“ Dafür verlören Türkei und Balearen an Attraktivität. Für die Fluggesellschaft Air Berlin gelten vor allem die Kanaren und Griechenland noch als relativ sichere Bank. Etwa jeder dritte Berliner Urlaubsreisende nimmt das Flugzeug. Nach Auskunft einer Flughafensprecherin bleibt Palma de Mallorca trotz Einbußen der Bestseller – gefolgt von Kurztrips nach London.

Auch auf der diesjährigen ITB ist Spanien der größte ausländische Aussteller – wenn auch mit weitem Abstand hinter Deutschland. Hier präsentiert sich Mecklenburg-Vorpommern besonders selbstbewusst: Während Scharen von Handwerkern gestern noch die bescheidenen Pappwände anderer ITB-Stände anpinselten, erstrahlten über dem weitläufigen Mecklenburg-Zentrum bereits sommerfrisch leuchtende Riesenposter: Alleen, Rapsfelder, Radler, Sonne. An Mecklenburg soll auf dieser ITB niemand vorbeikommen.

Mehr als die Hälfte der Berliner Urlauber laden ihr Gepäck ins Auto. Von 305000 Tour-Sets, die im vergangenen Jahr in der Berliner ADAC-Zentrale bestellt wurden, waren 80000 Deutschland-Karten. Für ADAC-Sprecherin Monika Schüler ein Indiz dafür, dass die Leute weniger Geld in der Tasche haben. 42000 Mal steckten die Mitglieder eine Österreich-Karte ein, 35600 Mal wurde nach Italien gefragt. Es folgen Frankreich, Tschechien, Ungarn. Der Club könne die Trends kaum beeinflussen.

Um die Berliner wieder mehr fürs Ausland zu begeistern, lockt das Reiseunternehmen BEX mit seinen 20 Berliner Filialen auf der ITB mit China-Gruppenreisen. Denn Reisen in exotische Länder haben für die Veranstalter den Vorteil, dass man sie langfristig buchen muss. Spontane Schnäppchenjäger freuen die Branche nicht. „Die Berliner sind immer schwerer einzuschätzen“, klagen die Reiseunternehmer, die gern rechtzeitig wüssten, wo sie künftig investieren sollen. Das Berliner Umland dagegen profitiert von den „Spontis“. clk / kög / obs

Service-Informationen zur ITB finden Sie heute in unserer Reise-Beilage.

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