Berlin : Berliner Verwaltung: Kein Anschluss unter dieser Nummer

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der Polizei, der Senatskanzlei, der Justiz und den Bezirken Spandau und Hohenschönhausen könnte es bald so gehen wie vielen Handy-Besitzern: Sie haben nicht mehr genug Geld, um ihre Telefonrechnung zu bezahlen. Das Parlament hat ihnen 50 Prozent der Haushaltsmittel für "Fernmeldegebühren" im Jahr 2001 gesperrt. Ende Juni müssen diese Behörden notfalls auf Rauchzeichen, Buschtrommeln oder reitende Boten umstellen.

Der Unterausschuss KIT (Kommunikations- und Informationstechnik) des Abgeordnetenhauses hat triftige Gründe für die rigorose Finanzsperre. Sie trifft nämlich alle, die das verwaltungsinterne elektronische Telefonbuch boykottieren - oder jedenfalls stark vernachlässigen. Zum Beispiel hat die Senatsverwaltung für Justiz, die dem Regierenden Bürgermeister untersteht, die Namen und Dienstnummern ihrer Mitarbeiter seit 1998 nicht mehr aktualisiert. Dort heißt der Staatssekretär immer noch Detlef Borrmann und nicht Dieter Rauskolb, wie es richtig wäre. Auch das Bezirksamt Spandau bietet im Intranet der Berliner Verwaltung veraltete Daten an.

Immer noch besser als die Polizeibehörde, die die Namen ihrer Mitarbeiter und die meisten dienstlichen Telefonnummern überhaupt nicht herausrücken will. "Die Daten der verdeckten Ermittler soll ja auch niemand ins Telefonbuch stellen", sagt Dieter Manske (CDU), Vorsitzender des Unterausschusses KIT. "Aber es kann doch kein Geheimnis sein, dass der Berliner Polizeipräsident Hagen Saberschinsky heißt und sein Vorzimmer über einen Telefonanschluss verfügt."

Manske mutmaßt, dass dieser Boykott mit dem Personalrat der Polizei sogar förmlich abgesprochen wurde. Das regt ihn auf. Die Polizei maße sich Privilegien an: Auch von der Stellplatzabgabe, die ansonsten alle öffentlich Bediensteten für einen Parkplatz vor der Dienstbehörde zahlen müssten, seien die Polizeibeamten ausgenommen. Auch in diesem Fall blockierte der Personalrat, wie Innensenator Eckart Werthebach dem Hauptausschuss kürzlich bestätigte. Die Angelegenheit ging zur Einigungsstelle und ist noch längst nicht erledigt. Aber warum speiste der Bezirk Hohenschönhausen keine Telefonliste ins Datennetz ein? Obwohl ein Konzept schon vor zwei Jahren entwickelt und vom Qualitätszirkel des Bezirksamts sogar prämiert worden ist.

Nun ja, sagt Diedrich Wulfert, Referent der Bezirksbürgermeisterin Bärbel Grygier: "Zuerst fehlte das Geld, dann gab es technische Probleme." Die Telefonanlage sei für den Netzkartenbetrieb nicht geeignet gewesen und dann habe die Verwaltung "mit Blick auf die Fusion mit Lichtenberg das Problem etwas zögerlich behandelt". Als das Parlament ankündigte, deshalb den Geldhahn zuzudrehen, reagierten die Hohenschönhauser prompt. Flugs wurde, gemeinsam mit Lichtenberg, die bezirkliche Telefonliste ins Intranet gestellt. "Sie funktioniert jetzt, wir haben es ausprobiert", versichert Wulfert. Dann kann das Telefongeld auch wieder fließen. Wenn die Behörden nachbessern oder stichhaltige Gründe für ihre Verweigerungshaltung oder Schlamperei nennen, ist der Unterausschuss KIT bereit, die Finanzsperre aufzuheben.

Früher standen in jeder Dienststelle fünf dicke Leitzordner mit allen behördlichen Telefonnummern und unter Beamtenanwärtern galt es als unbeliebte Strafarbeit, die Ordner mit regelmäßig zugelieferten Einzelblättern auf den neuesten Stand zu bringen. Das neue Telefonbuch, vom Landesbetrieb für Informationstechnik (LIT) im Rahmen der "Intranet-Dienste im Berliner Verwaltungsnetz" (IDBV) technisch betreut, sollte für eine weniger komplizierte, reibungslose Kommunikation zwischen den Behörden sorgen. Nur fehlen teilweise immer noch die Daten oder wurden nicht aktualisiert.

Die Polizeibehörde lässt das kalt. Man wolle sich den modernen Informationstechniken und -bedürfnissen zwar nicht verschließen, "aber die Sicherheitsbedürfnisse der Polizei müssen ausreichend berücksichtigt werden", sagt Isabell Kalbitzer, Sprecherin der Senatsinnenverwaltung. Und das Sicherheitsbedürfnis ist offenbar groß. Nach Aussagen von Manske ist die Telefonliste der mehr als 30 000 Mitarbeiter zählenden Behörde bisher nur 300 Telefonnummern lang, und anstatt der Namen steht überall N.N.. "Und was ist, wenn man wirklich mal Jemanden erreichen will bei der Polizei?", fragt der CDU-Abgeodnete. Es sei ihm geraten worden, in diesem Fall die Auskunft anzurufen. "Und es gibt ja noch die 110", sagt Manske. Aber das war nur ein Scherz.

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