Berliner Wahlkampf : Linkspartei wirbt mit Tucholsky

Im Wahlkampf zur Abgeordnetenhauswahl wirbt die Linkspartei.PDS mit einem Zitat Kurt Tucholskys. Wirtschaftssenator Wolf sieht darin keine Vereinnahmung des linken Publizisten.

Berlin - Auf einem Großflächen-Plakat, das am Montag vorgestellt wurde, bedient die Partei sich der Worte: "...für diese Stadt, in der immerhin Bewegung ist und Kraft und pulsierendes rotes Blut. Für Berlin." Es handelt sich um den Schluss des Artikels "Berlin! Berlin!", der 1927 unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel in der "Weltbühne", einem Organ der linken Intellektuellen, erschienen war.

Für Wirtschaftssenator Harald Wolf, zugleich Spitzenkandidat der Linkspartei, ist der Ausspruch eine treffende Charakterisierung Berlins. Schon in den 1920er Jahren habe es in der Stadt starke Kräfte gegeben, die sich für soziale Gerechtigkeit eingesetzt hätten. Diesem Engagement fühle sich die Partei verpflichtet, betonte Wolf.

900 Großplakate in vier Motiven

Rechtlich kann es keine Einwände gegen die Verwendung des Zitats geben, da sich im Dezember vergangenen Jahres Tucholskys Todestag zum 70. Mal gejährt hatte und sein Werk seit dem 1. Januar 2006 damit nicht mehr urheberrechtlich geschützt ist. Volker Ludwig von der verantwortlichen Werbeagentur dig sagte, dass die Linkspartei mit insgesamt fast 900 Großplakaten in vier Motiven im Stadtbild um Stimmen für die Wahl am 17. September kämpfen wolle. Übergeordnetes Motto der Kampagne, für die insgesamt 750.000 Euro ausgegeben werden, ist "Berlin bewegt".

Daneben sind 30.000 Themenplakate in sieben Motiven geplant. Mit diesen wirbt die Partei unter anderem für ein längeres gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse und die Schaffung regulärer Beschäftigung statt Ein-Euro-Jobs. Zugleich fordert sie den Erhalt von Unternehmen der öffentlichen Daseinsvorsorge wie der BVG oder der Kliniken. Das Thema sei ein "wichtiges Alleinstellungsmerkmal" der Linkspartei, das sie "von den Wirtschafts- und den Öko-Liberalen" unterscheide, betonte Wolf mit Blick auf die jüngste Debatte um eine Ampelkoalition von SPD, Grünen und FDP.

Die Diskussion um dieses 2001 gescheiterte Bündnis war nach der jüngsten Wahl-Umfrage aufgekommen, der zufolge Rot-Rot derzeit keine Mehrheit hat. Wolf sieht das Umfrageergebnis, das nur eine Momentaufnahme sei, gelassen. Er hält eine Neuauflage der rot-roten Koalition noch immer für machbar, weil der Wahlkampf erst beginne. (tso/ddp)

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