Berlin : Berliner Wasserspiele: Ein Brunnen für die Mühlendammschleuse

Sigrun Speckmann

In Berlin gibt es über 500 Wasserspiele - der Tagesspiegel stellt in loser Folge die schönsten und interessantesten vor. Der heutige Serienteil führt in den Bezirk Mitte, in die Keimzelle der Stadt.

Seit 1940 steht der Brunnen an der Mühlendammschleuse. Den Mühlendamm selber gibt es schon viel länger, anders als heute war er ein echter Damm, auf dem sieben Wassermühlen auf schmalstem Gelände standen. Als man sie nicht mehr benötigte, baute man sie in ein städtisches Verwaltungsgebäude um, dem man den umständlichen Namen Mühlendamm-Mühlengebäude verlieh. Es ähnelte einem Gefängnis, und die Mehrzahl hat es auch sicher dafür gehalten. Dabei sollte der Berliner gerade dieser Stätte besonders dankbar sein; hier schlägt wirklich "Berlins Herz". An dieser Stelle führte vor Jahrhunderten eine Furt durch die Spree, an der sich Ende des 12. Jahrhunderts Menschen ansiedelten. Viele Jahre später verband die Fischerbrücke die Straßen, und die Mühlendammbrücke überspannte die Schleuse, die man am Ende des 19. Jahrhunderts baute, um die Schiffspassage ungehindert zu ermöglichen. Bis dahin mussten die Schiffer ihre Lasten von einem Kahn zum anderen umladen.

Der Umbau des Mühlendamms dauerte von 1888 bis 1893. Das burgenartige Mühlendammgebäude wurde von 1892/93 nach Entwürfen des Stadtbaurates Hermann Blankenstein erbaut und wurde von der Städtischen Sparkasse und der Armenverwaltung genutzt. Der Mühlendamm wurde dann bereits 1936 bis 40 erneut umgestaltet, wobei die Mühlenwegbrücke, Mühlendammgebäude und das Wehr verschwanden. In den letzten Kriegstagen wurde die Brücke gesprengt und danach provisorisch wieder hergerichtet. In den Jahren 1966 / 68 ließ man sie durch den heutigen Neubau ersetzen.

Der Brunnen steht auf dem Mitteldamm der Schleuse und besteht aus Sandstein. Nach Angabe des Landesarchivs gibt es Baupläne, in denen sich eine Darstellung zur Unterkellerung des Brunnens fand. Da er auf der Zeichnung mit aufgeführt wurde, kann unterstellt werden, dass er 1940 im Zuge der Neugestaltung des gesamten Areals mit errichtet wurde. Ob er im Krieg zerstört und wieder aufgebaut wurde, ist nicht festzustellen.

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