Berlin : Berliner Wasserspiele: Nicht Würzburg, sondern Pankow

Sigrun Speckmann

In Berlin gibt es über 500 Wasserspiele - der Tagesspiegel stellt in loser Folge die schönsten und interessantestenvor. Der heutige Serienteil führt in den Bezirk Pankow.

Nur ein paar Schritte von der Pankower Kirche entfernt steht der an der Ecke Breite / Berliner Straße der wunderschöne Brunnen "Kletternde Kinder", der eine interessante Geschichte hat. In den 60er Jahren erhielt der Pankower Künstler Professor Gerhard Thieme den Auftag, für den Hof eines geplanten 10geschossigen Neubaus der Universität in Würzburg einen Brunnen zu entwerfen und fertigte drei Vorschläge an. Eines Tages bekam Thieme Besuch in seinem Atelier. Die drei Vertreter der DDR-Staatsmacht sahen sich um und entdeckten die Entwürfe der drei Brunnen. Sie bestimmten sofort, dass diese in Berlin aufgestellt werden sollten. Sie hätten so etwas in Karl-Marx-Stadt gesehen, heute in Chemnitz rückbenannt, und wollten so etwas ähnliches für ihre Stadt Berlin haben. Einwände des Künstlers, dass Brunnen für Würzburg vorgesehen seien, interessieren sie nicht. "Sie haben die Arbeiten hier geschaffen du die Werke bleiben in unserem Land", wurde Thieme beschieden.

Einer der drei Brunnen steht heute an der Karl-Liebknecht-Straße neben der Markthalle. Beim Umbau des Gebäudes zum "Berlin-Carré" wurde er Brunnen zum Teil demontiert, das vier Meter große Becken verschwand, weil dafür kein Platz mehr war. Nach Einspruch des Bildhauers, der sein Werk ohen das Becken lieber verschrotten wollte, wurde die Entscheidung zurückgenommen.

Der Zweite Brunnen steht in den Rathauspassagen. Er zeigt einen Professor, der seinen Schirm aufspannt, eine "akademische Putzfrau", die den Scheuerlappen auswringt und einen Bierbauer, der die Brotzeit bringt.

Und Nummer Drei sind schließlich die fünf "Kletternden Kinder", die in Pankow, Kirche stehen. Ein wenig verlassen wirkt der Brunnen auf dem gepflasterten Platz, auch wenn er an einer Seite von Blumenrabatten und Bänken eingefasst wird. Die Kinder passten besser in eine Grünanlage oder vor eine Schule - schließlich hatte Professor Thieme mit dem Direktor einer nahegelegenen Schule vereinbart, beim Entwurf des Brunnens während des Turnunterrichts zuschauen zu dürfen. Dem Betrachter des Kunstwerks fällt auf, wie natürlich die Figuren in ihrer Bewegung geworden sind.

Der Brunnn besteht aus einem Betonsockel, auf dem ein 2 Meter 60 hohes Klettergerüst in ein flaches Brunnenbecken mit einem Durchmesser von einem Meter gestellt wurdet. Zwei Mädchen und drei Jungen aus Bronze turnen auf dem Gerüst herum. Das Wasser tropft aus dem oberen Ring in das Becken.

Heute hat sich Professor Thieme auf kleine Keramikfiguren verlegt, von denen er 150 in seinem Atelier aufbewahrt und die er auch verkauft. Zwei Keramikbrunnen hat er noch gearbeitet. Der eine erzählt die Geschichte von dem Jungen, der ein Loch im Eimer hat und nicht mehr weiß, was er jetzt machen soll.

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