Berlin : Berliner Wasserspiele: Rhombenförmige Wasserschalen und posierende Schwanenküken

Aus der Tagesspiegel-Serie: "Die schönsten Wa

In Berlin gibt es über 500 Wasserspiele - der Tagesspiegel stellt die schönsten und interessantesten vor. Der heutige Serienteil führt vom Alexanderplatz zur Leibnizstraße.

Auf dem Alexanderplatz im historischen Zentrum Berlins fallen als einzige Schmuckelemente auf der rund drei Hektar großen, vollständig mit Betonplatten belegten Fläche die 1969 aufgestellte Weltzeituhr und der Brunnen der Völkerfreundschaft ins Auge. Die Weltuhr, eine zehn Meter hohe Stahlkonstruktion mit geätzten Aluminiumplatten und farbigem Emailleauftrag von Erich John, zeigt auf ihrer umlaufenden Skala die Uhrzeit in den wichtigsten Hauptstädten der Welt an. Der 1969 von dem Maler Walter Womacka geschaffene Brunnen der Völkerfreundschaft steht vor den Kaufhausfassaden. Aus einem runden Becken mit einem Brunnenring aus farbiger Emaille und getriebenem Kupfer erhebt sich eine spiralförmige, mit buntem Glas verzierte Treppe aus 17 rhombenförmigen Wasserschalen. Das Wasser tritt in kleinen Fontänen aus, tropft über die Ränder der Schalen in das obere Becken und läuft von dort über Rosetten aus Kupfer in das untere.

Der Alexanderplatz erhielt seinen heutigen Namen im Frühjahr 1805 anlässlich eines Besuchs des russischen Zaren Alexander I. beim preußischen König Friedrich Wilhelm III. Im Laufe seiner Geschichte ist der Platz mehrfach grundlegend umgestaltet worden. Seine heutige Gestalt erhielt er im wesentlichen beim Ausbau des Ost-Berliner Stadtzentrums 1966 bis 1970. Der Alexanderplatz entwickelte sich aus einem noch bis ins 19. Jahrhundert bestehenden Viehmarkt auf der Berliner Feldmark außerhalb der Stadtmauer vor dem Georgentor (ab 1701 Königstor), zu dem im 18. Jahrhundert ein Wollmarkt hinzukam. Der südliche Teil des "Ochsenplatzes" diente ab dem späten 18. Jahrhundert als Exerzierplatz, woraus sich auch der frühere Name "Paradeplatz" herleitete. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Platz fast vollständig zerstört. Berolina- und Alexanderhaus wurden schwer beschädigt, bis 1952 aber in den ursprünglichen Formen wiederhergestellt. Die Neubebauung begann 1966. Dabei wurde der nach 1928 geschaffene Kreisverkehr wieder aufgelöst und die Platzfläche zu einer reinen Fußgängerzone umgestaltet.

An der nordwestlichen Seite des Platzes entstanden zwischen 1967 und 1970 als größtes Kaufhaus der DDR das Centrum Warenhaus (ab 1991 Kaufhof) und - über die Alex-Passage mit dem Kaufhaus verbunden - das 123 m hohe Hotel "Stadt Berlin" (jetzt Forumhotel). Gegenüber liegt das 1970 bis 1973 gebaute Haus des ehemaligen Berliner Verlages (jetzt Berliner Verlag GmbH). An der Fortführung der Karl-Marx-Allee entstanden 1967 bis 1969 das Haus der Elektroindustrie und 1969 bis 1971 das Haus des Reisens. Bereits 1961 bis 1964 waren an der Ostseite des Alexanderplatzes das Haus des Lehrers und die Kongresshalle Alexanderplatz erbaut worden.

Im Gegensatz zum wuchtigen Brunnen auf dem Alexanderplatz wirkt der Schwanenkükenbrunnen am Kurfüstendamm Ecke Leibnizstraße fast schon filigran. 1908 wurde das Wasserspiel von August Gaul erbaut. In einem eingelassenen oktogonalen Becken steht auf einem eckigen Postament ein ovaler Sockel, der eine leicht ovale Schale aus Muschelkalk trägt. Auf ihrem Rand sind an gegenüberliegenden Seiten zwei Schwanenküken und zwei Schwanenkükenpaare aus Bronze in unterschiedlicher Pose plaziert. Eine Düse ragt in der Mitte empor. Sie strahlt feine Wasserstrahlen glockenförmig ab. Das Wasser läuft über den Rand der Schale und tropft auf den Sockel.

Bildhauer Gaul stammte aus einer Steinmetzfamilie und verdiente als Kunsthandwerker und Modelleur schon seinen Lebensunterhalt, als er sich 1892 an der Akademie in Berlin zur Fortbildung zum Bildhauer einschrieb. Er arbeitete als Meisterschüler und Assistent von Reinhold Begas am Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal mit und entwarf zwei monumentale Löwen, die heute im Tierpark Berlin wieder zu finden sind. August Gaul schuf sehr viele Tierskulpturen. Auch der Entenbrunnen vor dem Renaissance-Theater wurde von ihm errichtet. Der Bildhauer starb im Alter von fast 52 Jahren am 18. Oktober 1921 in Berlin. Der Schwanenkükenbrunnen wurde zunächst im Park einer Villa aufgestellt. Max Cassirer, Geschäftsführer der Firma Dr. Cassirer & Co und ehrenamtlicher Stadtrat Charlottenburgs, wohnte seit 1905 in der Wilmersdorfer Kaiserallee 182-183 (heute Bundesallee). Anfang der 50er Jahre wurde der Brunnen von dem bombengeschädigten Grundstück in der Kaiserallee entfernt und am Kurfürstendamm Ecke Leibnizstraße aufgestellt.

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