Berlin : Berliner Wasserspiele: Sinkende Mauer und selbstverliebter Junge

Sigrun Speckmann

In Berlin gibt es über 500 Wasserspiele - der Tagesspiegel stellt die schönsten und interessantesten vor. Heute geht es um zwei Brunnen, die gegensätzlicher wohl nicht sein können.

Immerhin vier Jahre dauerte es, bis der neugestaltete Invalidenpark mit dem Invaliden- oder Mauerbrunnen fertiggestellt und am 3. Oktober 1997 übergeben werden konnte. Damit schloss sich an der Invaliden- /Ecke Scharnhorststraße ein neues Kapitel der wechselvollen, Geschichte des Parks. Die Anlage aus dem Jahr 1843, die zuletzt von der Mauer bestimmt war, geht auf Peter Joseph Lenné zurückgeht. Die grüne Oase sollte den Kriegsinvaliden innerhalb der Friedrich-Wilhelm-Stadt Erholung geben. 1895 entstand hier die Gnadenkirche, deren Ruine im Jahre 1967 verschwand. Danach wurde der Platz mit Baracken eines Baukombinats und der Grenztruppen zugestellt. Nach dem Mauerfall rückte er wieder in den Mittelpunkt des Interesses.

Christoph Girot erhielt 1992 den Zuschlag für die Neugestaltung des Platzes. Zentrum des südlichen Parkteils ist der "Mauerbrunnen" ein 50 mal 62 Meter großes Wasserbecken, auf dem im Winter Schlittschuh gelaufen werden kann. Eine Wand, die schräg aus dem Wasser ragt, ist als begehbare Skulptur und Aussichtsort der Mittelpunkt. Der Betrachter erkennt, wie Girot die Mauer im Nichts versinken lässt. Die Gestaltung war nicht unumstritten, so dass der Architekt zur Eröffnungszeremonie ein Bonmot beisteuerte: Man weiß nicht genau, ob hier ein Park oder ein Platz ist, auf jeden Fall kein Parkplatz. Von der Invalidenstraße aus geht quasi ein Platz allmählich in einen Park über: Der vordere Teil beginnt mit neun Reihen Granitplatten und einem schmalen Streifen, je weiter man in den eigentlichen Park geht, desto mehr nehmen die Steine des Anstoßes ab, und das Grün nimmt zu. Junge Gingkobäume werden eines Tages dem Granit vermutlich die allzu starre Strenge nehmen; der Park, den man bis in seinen alten Teil (mit einem Stück Fundament der Gnadenkirche) bewandern sollte, entwickelt auf den zweiten Blick einen gewissen Charme.

Ein wenig ungastlich zeigt sich auch die Kurfürstenstraße an der Ecke zur Genthiner Straße in Tiergarten, wo zahlreiche Möbelhäuser errichtet wurden. Neugierigen eröffnet sich aber auch eine kleine Reminiszenz an die Zeiten, als hier noch Villen im englischen Landhausstil gebaut wurden. Hinter der Genthiner Straße 28-30, dem so genannten Begaswinkel hat sich eine der ehemaligen Privatstraßen erhalten. Hier steht der Knabenbrunnen.

Die um 1870 aufwendig gestalteten Häuser mit Säulen und Verzierungen führen zu einem kleinen Platz, den ein schlanker, kniender Steinknabe mit einem Wasserkrug in der rechten Hand schmückt. Er steht auf einem künstlichen Hügel auf einem viereckigen Sockel aus Naturstein, der mit kleinen Mulden und Rinnsalen versehen ist.

Die Figur ist eine im Jahr 1962 geschaffene Nachbildung einer Narziss-Skulptur, die um 1880 entstanden war. Vier Wasserspeier waren an den Sockelseiten angebracht. Sie sind leider zerstört, und der Brunnen wurde stillgelegt. Die gesamte Anlage ist denkmalgeschützt.

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