Berlin : Berliner Wasserspiele: Sprudelnde Lebensfreude

Sigrun Speckmann

In Berlin gibt es über 500 Wasserspiele - der Tagesspiegel stellt in loser Folge die schönsten und interessantesten vor. Der heutige Serienteil führt in den Bezirk Zehlendorf.

Anfang der 80er wurde der Dorfbrunnen nach Entwürfen von Brigitte Haacke-Stamm aufgestellt. Er befindet sich auf dem kleinen Platz, an dem sich Potsdamer Straße, Martin-Buber-Straße und Königstraße treffen. Ab und zu gibt es hier einen kleinen Markt. In einem runden gepflasterten Becken erhebt sich eine Säule aus Bronze auf einem Sockel. Um sie herum tummeln sich ausgelassen neben- und übereinander humorvolle, rustikale, bronzene Frauen-, Kinder- und Tiergestalten, aus deren Mündern und Mäulern sie viele Wasserstrahlen nach allen Seiten in das Becken speien. Die Skulpturen erinnern entfernt an die Dachskulpturen gotischer Kathedralen.

Im Motiv der sich um den Stamm windenden Wasserschlange klingen Bilder der christlichen Ikonographie an, die aber - im unteren Teil der burlesken Szenerie - von narrenhaften Figurengruppen als Ausdruck übersprudelnder Lebensfreude und Sinnlichkeit konterkariert werden. Und von überallher und nach allen Seiten hin sprudeln die Wasserstrahlen in das Brunnenbecken.

Der schöne Brunnen, auf einen zu steinernen Platz gestellt, wehrt sich auf seine Art gegen die karge Umgebung. Er "spuckt" um sich, so dass Passanten einen Bogen um ihn machen. Dabei verdient er mehr Beachtung. Die nackte Frau, die gleichmütig auf einem Hund (?) reitet und ihn am Ohr zieht, Echsen, Katzen, ein Seehund: Es macht Spaß, die speiende Tierwelt zu entschlüsseln, die freundlicher wirkt als die großen und kleinen spuckenden Brunnen-Menschen, die ein wenig gequält in die Gegend blicken. Dabei plätschert es, Augen zu, wie ein Gebirgsbach.

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