Berlin : Berliner Weihnachtsmärkte: Ein Glas Glühwein? Oder doch lieber X-Mas-Milk?

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Ganz vereinzelt klingeln Glöckchen und Kassen schon auf Berliner Weihnachtsmärkten. Aber erst morgen überschwemmt die Welle von adventlicher Glückseligkeit endgültig die Stadt: Dutzende von Weihnachtsmärkten eröffnen. In voller elektrischer Pracht erstrahlen dann die Stände auf dem Alexanderplatz im Osten und an der Gedächtniskirche im Westen - die Pole, zwischen denen zweifelsohne die meisten Berlin-Touristen hin- und herpendeln werden. Im vergangenen Jahr zog der Budenzauber am Alexanderplatz über 3 Millionen Besucher an. Über 240 Häuschen voller Geschenke, gebrannter Mandeln, Lebkuchenherzen und Fritten locken in diesem Jahr. Der leichten Zweigarmut der 33-Meter-Fichte wird mit 5300 Lichtern abgeholfen, versprechen die Veranstalter. Damit sei der Baum genauso schön wie der in New York und immerhin noch 13 Meter höher. Am Breitscheidplatz bauen gerade 110 Händler ihre Stände auf, insgesamt stehen am Montag 170 Weihnachtsmarktbuden. Allerlei lustige bis absonderliche Aktionen finden statt: So rollen am 3. Dezember die aus Funk und Fernsehen sattsam bekannten Coca-Cola-Trucks an. Und am 14. und 21. Dezember ist die vier Meter hohe Milchkanne der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Brandenburg-Berlin zu Besuch - ausgeschenkt wird "Latte Diabolo" und "X-Mas-Milk".

Trotz aller Superlative: Die größten Weihnachtsmärkte sind diese beiden nicht. Da läuft ihnen der Spandauer Markt den Rang ab, der sich am Wochenende durch die gesamte Altstadt erstreckt und somit "der größte Europas" ist, wie man sich auf der städtischen Homepage brüstet.

Wer außer Völlerei noch das Ziel verfolgt, Geschenke für Heiligabend zu finden, der wird auf den kleineren Märkten fündig. In der Sophienstraße findet zum fünften Mal der Umwelt- und Weihnachtsmarkt statt. Greenpeace, BUND und WWF stellen ihre Projekte vor, gleich nebenan verkaufen Händler Produkte aus "fairem Handel mit der 3. Welt", Naturwaren und Kunsthandwerk. Alle diejenigen, die über den weihnachtlichen Konsumrausch klagen, können Ideelles verschenken: eine Tropenwald-Schutzaktie für 50 Mark, mit der 1000 Quadratmeter Regenwald unter Schutz gestellt werden sollen.

Kunsthandwerklich ausgerichtet ist auch der Kladower Christkindlmarkt am Imchenplatz (2. Adventswochenende). Über 85 Kreative stellen hier aus, Kerzenmacher, Glasbläser, Holzschnitzer. Und wem Shoppen noch zu stressig erscheint für einen gemütlichen Winterabend, der spaziert mit einem Becher Glühwein in der Hand Unter den Linden entlang und erlebt am Nostalgischen Weihnachtsmarkt beim Opernpalais, wie das Lichterfest vor 100 Jahren war.

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