Berlin : Berliner Wetter: Nass-kalte Bescherung

Katja Füchsel

Der Meteorologe sieht sie schon vor sich, die hochgezogenen Augenbrauen und spöttischen Gesichter. Er kann die Häme, die sich wieder einmal über seine Zunft ergießen wird, fast hören - aber es hilft ja nichts: Vielleicht regnet es Weihnachten, vielleicht schneit es, vielleicht wird es glatt, lautet die Vorhersage der Meteorologen zum Fest. "Eine weiße Weihnacht im klassischen Sinne gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht", sagt Thomas Globig vom Wetterdienst Meteofax.

Der Meteorologe träte ja gerne entschiedener auf, doch die Computer der Wetterstationen in ganz Europa machen Globig und seinen Kollegen derzeit das Leben schwer. "Die Berechnungen zeigen jeden Tag etwas anderes an", klagt Globig. Offenbar hat der bislang so untypisch verlaufende Winter nicht nur die Natur, sondern jetzt auch die Wetter-Rechner durcheinander gebracht. Statistisch betrachtet gab sich der Winter bislang jedenfalls eher wie ein richtig guter Sommer: zu sonnig, zu trocken, zu warm.

Schon der November hatte 180 Prozent des üblichen Sonnenscheins gebracht und damit einen absoluten meteorologischen Rekord aufgestellt. Und auch der Dezember war bislang vier Grad zu warm, schon Mittwoch waren 112 Prozent des üblichen Sonnenscheins erbracht, aber nicht einmal die Hälfte der durchschnittlichen Regenmenge. Und selbst, wenn in den vergangenen Tagen in der Stadt die ersten Winterjacken zum Einsatz kamen, bleibt es nach Globigs Worten für die Meteorologen weiterhin spannend: "Der Winter kann sich nicht recht entscheiden." Über die Feiertage werde es voraussichtlich nass-kalt, bei Temperaturen um null Grad.

An den letzten Klassiker - also einen Heiligabend in verschneiter Winterlandschaft - können sich die meisten kaum noch erinnern: 1986 lagen am 24. Dezember 14 Zentimeter Schnee. 1995 brachte der Heiligabend eher Matsch als Flocken, am zweiten Feiertag lagen dann immerhin drei Zentimeter Schnee. Aber auch der letzte "richtige Winter" liegt schon einige Jahre zurück: 1986 lag an 66 Tagen eine geschlossene Schneedecke über der Stadt, am 13. Januar reichte sie 23 Zentimeter hoch.

Der Winter 1995 / 96 ging hingegen wegen seiner klirrenden Kälte in die Wetter-Geschichte ein: 48 Eistage - Tag und Nacht unter Null - zählten die Meteorologen statt der üblichen 22. Laut Meteofax war jener Winter insgesamt mehr als drei Grad zu kalt.

Aber richtig in Schwung kommt Globig erst, wenn es um den Winter 1978 /79 geht: "Legendär, eine meteorologische Traumlage", schwärmt der Wettermann: Über 30 Zentimeter Schnee gab es in der Silvesternacht, minus 18 Grad und einen Ostwind der Stärke acht. "Ich würde Freudentränen weinen, wenn ich so etwas nochmal erleben könnte."

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