• Berliner wift einer Rumänin vor, zuerst mit ihm geflirtet, ihn anschließend betäubt und ausgeraubt zu haben

Berlin : Berliner wift einer Rumänin vor, zuerst mit ihm geflirtet, ihn anschließend betäubt und ausgeraubt zu haben

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Der Mann im Zeugenstand fuchtelt aufgebracht mit den Armen. "Das ist sie", ruft er und zeigt auf eine blonde Frau, die ein paar Meter weiter im Gerichtssaal sitzt. "Ich kenne sie, ich habe doch mit ihr geschmust", sagt der Mann und zieht die Ärmel seiner schwarzen Lederjacke glatt.

Der Rufer muss sich fühlen wie ein Depp. An einem schönen Herbsttag vor drei Jahren lernte er bei einem Abstecher nach Strausberg eine Frau kennen, in die er sich verguckte. Man fuhr in der S-Bahn, saß Wange an Wange im Café, und schließlich schrieb er seine Telefonnummer auf und gab sie der Frau. Wenig später meldete sie sich, kurz darauf besuchte sie ihn in seiner Berliner Wohnung und brachte eine Freundin mit. Am nächsten Morgen erwachte der Verliebte mit Kopfschmerzen. Die Frauen waren über alle Berge und hatten 950 Mark aus seinem Portemonnaie mitgenommen. Die Kopfschmerzen waren die Folge eines Betäubungsmittels. Eine der Frauen hatte es in den Magenbitter gemischt.

Seit drei Jahren versucht der Mann bereits, sein Geld zurückzubekommen. Er glaubt, dass die Frau drüben auf der Anklagebank es genommen hat. "Woran erkennen Sie sie", fragt Monika Pelcz, Richterin am Amtsgericht Tiergarten. "An der Physiognomie, am Kinn, an der Ohrform, an dem Muttermal auf der Wange", sagt er aufgeregt. Er bezichtigt sie der Maskerade. "Neulich vor Gericht in Strausberg hatte sie noch lange Haare, jetzt kommt sie mit kurzen, blonden Haaren", sagt der Geschädigte. Er ist zu 99 Prozent sicher, dass sie die Räuberin ist.

Die Frau mit dem blonden Schopf heißt Elenka und hat gerade ihren 34. Geburtstag gefeiert. Sie stammt aus Bulgarien und hat den Beraubten angeblich noch nie im Leben gesehen. In ihrer Heimat gilt sie als Gewinnerin, seit sie von einem Deutschen aus Brandenburg geheiratet wurde. Bevor es so weit war, steckte sie als Prostituierte in einem Nachtklub in Fredersdorf.

Sie könne am 20. Oktober 1996 gar nicht in Berlin gewesen sein, sagt sie, denn "da war ich erst ein paar Wochen in Deutschland, verstand die Sprache nicht und kannte mich nicht aus". Elenka hat ein Alibi. An dem Abend war sie mit ihrer Freundin Diana zusammen. "Hören wir doch die Freundin", sagt Richterin Pelcz. Aber es gibt ein kleines Hindernis. Die Zeugin sei nach Bulgarien gefahren. "Dann müssen wir eben warten", sagt die Richterin und setzt die Fortsetzung für den 17. November an.

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